Verzettelt
Kunst braucht Mut zum Risiko. Besonders zeitgenössische, das gilt auch im Musiktheater. Die Australische Nationaloper geht Wagnissen allerdings lieber aus dem Weg. Deshalb müssen die wenigen übrigen Ensembles in die Bresche springen – jüngst kam die State Opera of South Australia in Adelaide diesem Auftrag mit der Uraufführung von George Palmers «Cloudstreet» nach.
Tim Wintons gleichnamigen Bestseller (1991) haben Schauspiel und Fernsehen bereits für sich entdeckt. Als Opernvorlage gebärdet sich der Roman sperrig.
Nicht nur wegen seines Umfangs und der episodischen Erzählweise. Sondern auch, weil sich seine Essenz nur schwer fassen lässt: Der Plot umspannt einen Zeitraum vom Zweiten Weltkrieg bis in die frühen 1960er-Jahre. Es geht um zwei Arbeiterfamilien, die Lambs und die Pickles, die sich ein heruntergekommenes Haus teilen, als eine Art Heiliger Narr geistert «Fish» Lamb (Nicholas Jones) durch die Handlung, der als Kind fast ertrank und seither geistig behindert ist.
Daraus ein Libretto zu destillieren, ist mindestens eine Herausforderung. Palmer hat sich dieser Aufgabe tollkühn selbst gewidmet. Einerseits spult der Komponist die Szenen des Romans oft in staccato-artiger, ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von John Carmody
So problematisch Arrigo Boitos ideengeschichtliche Dämpfung der Erstfassung seines «Mefistofele» und der Rückgriff auf Elemente des traditionellen italienischen Melodramma sein mögen, das Werk enthält in seiner finalen Gestalt von 1875 etliche saftige Stücke fürs melomane Publikum und szenisch Packendes. Man muss das Lob ja nicht so überziehen wie Bernard Shaw, der...
Ihre Stimme ist ein Wunder des Wandels: Sie haben als Mezzo mit barockem Repertoire begonnen, dann kamen Mozarts Sopran-Partien, heute singen Sie Berlioz’ Cassandre. Wie ist diese ungewöhnliche Entwicklung zu erklären?
Das ist alles andere als ein Wunder! Als ich anfing, träumte ich von Norma oder Leonora, schließlich bin ich eine italienische Sängerin. Als mir...
Herr Eötvös, Sie sind 1966 als junger Mann von Budapest nach Köln gezogen, um dort zu studieren. Durch einen Zufall begegneten Sie wenige Tage nach der Ankunft Karlheinz Stockhausen. Daraus entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit, die zehn Jahre währte. Klingt dieser frühe Einfluss bis heute nach?
Ja und nein. Ich habe von Stockhausen vor allem...
