Verzeichnet

Düsseldorf: Deutsche Oper am Rhein: Rameau: Platée

Opernwelt - Logo

Die Geschichte der hässlichen Sumpfnymphe «Platée», der man eingeredet hat, Obergott Jupiter sei ihr verfallen, und die das auch glaubt, bis sie, schon im Brautkleid, grausam enttäuscht und von allen verspottet wird – diese recht herzlose Geschichte kam 1745 in Versailles anlässlich der Hochzeit des französischen Thronfolgers mit der spanischen Infantin Maria Teresa erstmals auf die Bühne. Die Braut galt als recht unansehnlich – so hat man stets angenommen, sie sollte im Stück bloßgestellt werden.

Doch sie war – ungewöhnlich genug – den Autoren allenfalls einen Seitenhieb wert.

Eigentlich geht es um etwas ganz anderes: Die Götter – in der barocken Oper stehen sie meist für den Fürsten und sein Gefolge – kommen hier in Berührung mit dem denkbar niedrigsten aller Stände. Wenn also in der Figur der Platée die Prätentionen des dritten Standes verspottet werden, kommt die Adelswelt auch nicht viel besser weg, die in ihrer ganzen grausamen Oberflächlichkeit vorgeführt wird. Die Mechanismen, die da aufgedeckt werden, findet man heute im «Unterschichtenfernsehen» wieder.

Die Regisseurin Karoline Gruber scheint also auf der richtigen Spur, wenn sie im Prolog den Hofstaat der Götter in ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2011
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Ingo Dorfmüller

Weitere Beiträge
Apotheose des Künstlertums

In Oldenburg hat man schon immer ein besonderes Gespür für die musikalische Moderne bewiesen. Legendär ist die Aufführung des Berg’schen «Wozzeck» in der Spielzeit 1928/29, die dem vielfach angefeindeten Werk den Weg in die sogenannte Provinz eröffnete. Schon einige Jahre vorher hatte das Oldenburger Landestheater, wie es damals hieß, eine gute Nase für...

Auf Umwegen

Eigentlich hätte John Adams’ erfolgreicher Opernerstling schon längst einen festen Platz im Repertoire der Metropolitan Opera verdient – «Nixon in China» wurde 1987 in Houston uraufgeführt. Nun konnte der Komponist, dessen «Doctor Atomic» 2008 an der Met herauskam, in diesem Haus sein Debüt als Dirigent feiern, schon sein bloßes
Erscheinen entfesselte einen...

Gute Nacht

Den Geburtsfehler haben schon anlässlich der Uraufführung 1981 an der Deutschen Oper Berlin hellsichtige Kritiker wie Joachim Kaiser beschrieben: «Zur Oper fehlt es ... an Gestalten, fehlt ihr die Handlung, Gedichte, Zitate, Figuren, Überraschungen, Haltungen». Das empfindet man heute noch genauso. «Aus Deutschland», Mauricio Kagels Versuch über die deutsche...