Verwirrung der Gefühle

Musikromane erfreuen sich großer Beliebtheit. Nur mit der Qualität hapert es zuweilen. Sechs Neuerscheinungen belegen das

Opernwelt - Logo

Der Dichter spricht. Oder präziser: Er schreibt – und das mit jener sowohl dem Gegenstand als auch der Adressatin seiner Betrachtungen angemessenen Euphorie: «Ja, meine Geliebte, hier bin ich endlich angekommen, hier, wo ich schon lang einmal hätte sein sollen, manche Schicksale meines Lebens wären linder geworden. Doch wer kann das sagen, und wenn ich’s gestehen soll, so hätt ich mir’s nicht eher, nicht ein halb Jahr eher wünschen dürfen.»

Wer je Goethes «Italienische Reise» zur Hand nahm, kennt diese (an Charlotte von Stein) gerichteten Zeilen. Es ist der 15.

September 1786, der Poet soeben in Verona eingetroffen, seiner ersten wichtigen Station jenseits der Alpen, und schon am nächsten Tag fühlt er sich ersichtlich pudelwohl: «Nach und nach find ich mich. Ich lasse alles ganz sachte werden, und bald werd ich mich von dem Sprung über die Gebirge erholt haben. Ich gehe nach meiner Gewohnheit nur so herum, sehe alles still an und empfange und behalte einen schönen Eindruck...»

Ach, es ist ein herrliches Gebilde aus Worten und Gedanken und Gefühlen, dieses Reisetagebuch. Und man kommt kaum umhin, (schmerzvoll) daran erinnert zu werden, hat man die ersten Seiten des Romans «Der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Medien/Bücher, Seite 35
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Die Zeit war reif

Wenigstens einmal im Leben wollte sie auf die Marathonstrecke. Wie sich ein Frauenautomat anfühlt, das hat Diana Damrau zwar vor zwölf Jahren schon einmal in Mannheim ausprobiert. Doch Olympia und Antonia und Giulietta und Stella, dieses Viererpack schulterte der Weltstar aus Günzburg nun erstmals an der Bayerischen Staatsoper. Kein Fall für die Regie-, wohl aber...

Was von drinnen kommt

Gläserne Strahlkraft. Dramatische Fallhöhe und eine luxurierend ummäntelte Erotik. Die stimmliche Ausstattung von Véronique Gens, wenn man sie live hört, ist etwas Besonderes. Sie lässt sich kaum besser umschreiben als mit dem Ausdruck «grandeur». «Würde», «Herrlichkeit», «Grandezza» – das alles schwingt mit. Nicht sehr moderne Eigenschaften, scheint es. Véronique...

Sommernachts(alp)traum

Die Wände sind beschmiert mit Kunst, eine freizügige Gesellschaft schart sich um die Wirtin Nastassja: Anarchisten, Literaten, Lebenskünstler, Kiffer, zwei Nackte und ein Eisbär. In einem melancholischen Lied besingt Nastassja Mütterchen Wolga und das weite Land, das ihr (und den russischen Zeitgenossen von 1887) eine Freiheit symbolisiert, die unter dem...