Verwelkte Blumen
Es ist angerichtet. Der arielgleiche Sturm hat sich verflüchtigt, das lästig-lärmende Volk ist nach Hause gegangen, der bestirnte Himmel funkelt hell, und aus dem Graben steigt, mild-versonnen, legato e dolcissimo, con espressione, eine dominantisch geformte Kantilene des Solo-Cellos empor, auf deren Flügeln alle Liebenden dieser Welt Platz hätten.
Das ist der Augenblick, in dem die lang anhaltenden Entbehrungen ein Ende haben müssten; es ist jene magische Heureka-Sekunde, in welcher Otello und Desdemona eigentlich nur noch von einem einzigen Wunsch durchflutet sein dürften: O sink hernieder, Nacht der Liebe!
Doch, ach, nichts dergleichen geschieht: Pustekuchen. Wie zwei gealterte Backfische, die sich nach Jahren zufällig wiedersehen, stehen Jonas Kaufmann und Anja Harteros auf der riesigen Bühne der Bayerischen Staatsoper einander gegenüber: sich verlegen um die eigene Achse drehend, ganz und gar unfähig, den anderen zu verschlingen. Nur die zarte Andeutung einer Umarmung will ihnen gelingen, auch der glückseligmachende Kuss («un bacio!») ist wenig mehr als ein verhuscht-profanes Busserl. Leidenschaft sieht anders aus.
Oder sie ist pulverisiert, existiert nur noch in der ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten
Es ist eine lange, intensive Beziehung, die Leoš Janáček mit Brünn verbindet. In dieser Stadt, wo sich noch heute zahlreiche (architektonische) Relikte längst verblichenen kakanischen Glanzes auffinden lassen, verbrachte er den größten Teil seines Lebens. Acht seiner neun Bühnenwerke erlebten in Brno ihre Uraufführung, eines der 16 (!) Theater trägt seinen Namen. ...
Uraufführung
Seit beinahe 15 Jahren sind sie ein Gespann: der Komponist Johannes Maria Staud und der Dichter Durs Grünbein. Für zwei Opern und ein Monodram haben sie ihre kreativen Köpfe zusammengesteckt. Die Wiener Staatsoper zeigt jetzt ihr neues Werk: das Musiktheater «Die Weiden» nach der gleichnamigen fantastischen Geschichte des britischen Autors Algernon...
Für einmal nicht «Hänsel und Gretel», sondern «Aschenputtel». Doch nicht von Rossini (und auch nicht von Massenet), sondern aus der Feder einer der bedeutendsten Sängerinnen der Operngeschichte. Pauline Viardot, die erste Fidès in Meyerbeers «Le prophète», die seit 1841 regelmäßig als «Cenerentola» in Rossinis Oper brilliert hatte, ließ 1904 eine einaktige Operette...
