Verschenkt
Als die Hamburger Musikhochschule im Sommer diese Oper inszenierte, gab es einen femininen Proteststurm: Falstaff hatte einigen Damen den Hintern getätschelt. So etwas gehe gar nicht, meinten Studentinnen, die offenbar nicht nur Schillers Ausführungen zur «Schaubühne als moralische Anstalt» falsch verstanden haben. Handelt das Stück, gleich anfangs verkündet von Frau Fluth, doch genau davon, dass Weiber sich zur Wehr setzen.
An der Lindenoper blieben vergleichbare gutmenschliche Proteste aus, obwohl Alkohol und Tabak in starkem Maße missbraucht wurden und sich Monsieur Fenton (hervorragend: Pavol Breslik) xenophobe Angriffe gefallen lassen musste wegen seiner grotesken deutschen Aussprache. Nun, das alles steht im Libretto, darf also noch ein Weilchen als legitim gelten. Vollständig von den Spielplänen verschwinden wird Otto Nicolais Meisterwerk – er hatte zuvor sieben andere Musikdramen geschrieben und eine beachtliche D-Dur-Symphonie – so oder so nicht, ist es doch längst zum Repertoirefall kleiner Häuser geworden. Auch die Berliner Lindenoper, wo die Shakespeare-Adaption 1849 erstmalig erklang, übte sich jahrzehntelang in Abstinenz. Es gereicht Daniel Barenboim zur Ehre, das ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Volker Tarnow
Alfredo Casella (1883-1947) war ein Hauptvertreter der so genannten «generazione dell’ottanta», die sich radikal von der spätromantischen Wagner-Nachfolge wie vom italienischen Verismo abwandte und die Zukunft der Musik in der Rückbesinnung auf die alten Formen, in einem bewussten Klassizismus sah. Im Musiktheater bedeutete das eine Abkehr von mythologischen und...
Die Tonart verheißt nichts Gutes. As-Moll, das erinnert weniger an Frühsommerduft als vielmehr an Trübsal, Tristesse und Tragik. Eben die herrscht nun hörbar auch im karg möblierten Schlafzimmer des Kollegienassessors Kowaljow: Schluchzende Glissandi der Posaunen, Violinen, Oboen und Klarinetten dominieren dieses Adagio, ja selbst die Harfe seufzt, und das ist ja...
Was wohl der weise wie menschenkundige Doktor Marianus zu dieser Szene am Beginn des vierten Akts von «Les Indes galantes» anmerken würde? Er würde vermutlich schweigen, schmunzeln und sehr sanft sein Haupt schütteln. Denn rein gar nichts ist hier von jener reinen Minne zu spüren, die Marianus in der Bergschluchten-Szene aus Goethes «Faust II» besingt, von jener...
