Verdi: Un ballo in maschera
Eigentlich war es wie immer, wenn Johann Kresnik Oper inszeniert. Gerüchte über ein mögliches Skandalon, die im Vorfeld durchsickerten, geisterten als anrüchiges Gespenst durch die Lokalmedien, entpuppten sich dann aber, nüchtern betrachtet, doch nur als Gratisreklame. Auch in Erfurt kamen weder der Griff in die amerikakritische Klischeekiste noch die Verlegung des Maskenballs von Boston nach New York und schon gar nicht die mehr als dreißig Nacktstatisten vorgerückten Alters auch nur in die Nähe des Provokanten.
Und wenn man die mitgelieferten Kommentare über das Elend der Unter- und den Reichtum der Oberschicht, den ausdrücklichen Hinweis der verknappenden Übertitelung auf den 11. September oder auf die «Opfer des Konsumismus» nicht so wichtig nahm, wie es ihre Autoren tun, dann blieb selbst nach Kresniks Verfremdungsattacken und den mitunter ziemlich aufgesetzt wirkenden politischen Ausrufezeichen am Ende auch hier Verdi der Sieger.
Die Bühne wird von riesigen, geborstenen Betonteilen und Autowracks beherrscht. Rauch und Staub hängen in der Luft, ein Ölfass brennt vor sich hin, aus dem Schnürboden segeln immer wieder Kleidungsstücke herab, dreckverkrustete Menschen mit ...
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