Francesco Meli als Manrico im «Trovatore» am ROH London (2016); Foto:ROH/Clive Barda
Verdi ist neuer Belcanto
Verlässlichkeit ist eine Kompetenz, die auf dem nach Glamour gierenden Opernmarkt mitunter wenig zählt. Francesco Meli gehört zu den Sängern, um die man sich auch im Fall kniffligster Partien nicht sorgen muss. Ganz ohne Tamtam ist der Genueser ins Spitzenfeld der Tenöre vorgedrungen. Weil der 37-Jährige viel technisches Rüstzeug und stilistisches (Selbst-)Bewusstsein mitbringt, nicht zuletzt aus seiner lyrischen Vergangenheit.
So weit geht das Nachdenken über Stimme und Stil, dass sich Meli bald auch an Otello wagen will
Was ist nervenaufreibender: das hohe B am Ende der Radamès-Arie oder Manricos C am Ende der Stretta?
O Gott, das sind zwei so verschieden gelagerte Fälle. Für Radamès braucht man eine ganz eigene, besondere Konzentration nicht nur auf die Stimmtechnik, sondern auch auf den Charakter. In den letzten vier Takten der Arie kommt man sich nicht wie ein Sänger vor, sondern wie ein Ingenieur. Ich muss die erste und zweite Kadenz kalibrieren, vor allem das B. Das Problem ist, dass die meisten Zuhörer hier kein Pianissimo erwarten. Wenn ich es singe, mögen manche denken: «Wow!» Und die anderen: «Was soll das denn?!» Bei Manrico ist die Sache eindeutiger, da fiebern alle ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Interview, Seite 32
von Markus Thiel
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