Unterwegs
In Mel Brooks’ Filmparodie «Young Frankenstein» rast Marty Feldman als Diener Igor (auszusprechen: Aigor) mit wehenden Rockschößen durchs Laboratorium und reißt vehement Schalter herum, auf dass sein Meister (Gene Wilder) aus einem Mixtum compositum von Leichenstücken ein neues Wesen schaffen könne.
Anlässlich von Raphaël Pichons Album «Libertà! – Mozart et l'opéra» darf sich der fantasiebegabte Hörer auch Wolfgang Amédée in ähnlichem Ambiente vorstellen: in einer virtuellen Gehirnwerkstatt Ideen ein- und ausschaltend, viele wegwerfend, einige behaltend, im Kopf kombinierend und kittend – bis sie sich schließlich zu dem fügen, was als Da-Ponte-Trilogie bekannt geworden ist.
Die Leichtigkeit des Seins indes, mit der Mozart dabei angeblich zu Werke ging, ist ein Produkt hagiografischer Fantasie. «Überhaupt irrt man», schrieb der Komponist an den Kapellmeister Johann Baptist Kucharz, «wenn man denkt, dass mir meine Kunst so leicht geworden ist.» Nichts war zufällig oder mit pseudogenialer Nonchalance konfektioniert. Das wahre Genie baut auf akribische Arbeit, meint auch Raphaël Pichon, der dem Schatten des Komponisten auf dem Weg zu den Da-Ponte-Opern folgt. Drei Szenen hat er ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Gerhard Persché
Alle Beschränkung beglückt», vermerkte Arthur Schopenhauer. Er tat dies in Hinsicht auf seine Erkenntnistheorie, nicht auf den von Arnold Schönberg geschaffenen «Verein für musikalische Privataufführungen». Doch im geschärften Blick auf das Wesentliche mögen sich gemeinsame Glücksmomente ergeben – etwa in der musikalischen Bearbeitung, die Schönberg Gustav Mahlers...
Naumburgs Hauptdarsteller ist seit jeher der romanische Dom. Dem liebevoll renovierten, aber nur selten besuchten Nietzsche-Haus bleibt nur eine Nebenrolle. Der Philosoph verbrachte dort die Jugendzeit und dann sieben Wahnsinnsjahre in mütterlicher Obhut. Er komponierte auch; gleichwohl mochte Hans von Bülow seinen Werken nur «den Wert eines Verbrechens»...
Christina Pluhar
Sie sucht das Unerhörte, Ungewöhnliche, Überraschende. Mit ihrem Ensemble L’Arpeggiata erkundet die Lautenistin und Harfenistin das Terrain der Alten Musik – um es mit Experimenten, Modernisierungen und kühnen Repertoire-Erweiterungen aufzufrischen. Künftig will sie sich vor allem um Bühnenwerke kümmern. Ein Gespräch
Hans Abrahamsen
Er hat ein...
