Unterm roten Stern
Iossif Wissarionowitsch Dschugaschwili, besser bekannt und gefürchtet als Stalin, der «Stählerne», hatte ein zu kurzes Bein. Ein «teuflischer» Defekt, den er gut zu verbergen wusste. Auch wir wussten nichts davon, ehe Stephen Lawless uns im Programmheft darüber aufklärte. Denn der Regisseur des Doppelabends mit Tschaikowskys «Iolanta» und Rachmaninows «Francesca da Rimini» (nach Dantes «Göttlicher Komödie») im Theater an der Wien fand darin eine Parallele zur Figur des Lanceotto Malatesta, des Gattinnen- und Brudermörders aus Rachmaninows Stück.
In dieser Inszenierung wird er «zur Verkörperung der Diktatur», birgt überdies «hinter seiner äußeren Fassade einen starken Selbsthass» (Lawless). Weswegen der Regisseur den Doppelabend in eine nicht ganz nahe liegende Handlungszeit zwängt: in die Ära Stalins. Als weiteren Inspirationsgrund erwähnt der Brite das Verbot jeder Form von romantischer Literatur in jener Ära; «Francesca» stellt in diesem Sinne die brutale Realität, «Iolanta» eine erträumte romantische Welt dar.
Tschaikowskys spirituell getöntes Spätwerk von der blinden Königstochter, die durch die Macht der Liebe ihr Augenlicht gewinnt, erlebt zur Zeit eine Hausse. Im Grunde ist ...
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Opernwelt März 2012
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché
Und wenn einer tritt, dann bin ich es; und wird einer getreten, bist du’s. Das Hohelied kapitalistischer Denkungsweise, mit dem das Publikum nach dem ersten Akt von «Mahagonny» in die Pause entlassen wird, dieses Credo der Zocker und Spekulanten, war vermutlich nie aktueller als heute. Und so trifft sich’s gut, dass die Wiener Staatsoper die moralinreiche...
Die streng klassizistische Seria «Teuzzone» (1719) gehört neben der bissigen Boulevardkomödie «Ottone in villa» («Otto auf dem Lande», 1713) und der Zauberoper «Orlando (furioso)» (1727) zu den drei besten der erhaltenen Opern Vivaldis. Und das, obwohl der Meister 26 der insgesamt 33 Arien aus acht eigenen und drei fremden Opern übernahm und/oder später...
Frau Larmore, warum werden Ihre Rollen plötzlich böse?
Es war fällig. Aber ich bin fast sicher, dass ich mit mehr grauen Haaren als jetzt daraus hervorgehen werde.
Vor allem bedeutet die Rolle der Küsterin einen Fachwechsel!?
Ich sehe es eher so, dass ich meinen bisherigen Rollen eine neue hinzufüge. Dass die Küsterin funktioniert, hat mich übrigens gar nicht so...
