Unheimlich, rauschfrei, brandaktuell
Wieder am 13., 17., 22., 28. April 2017. In dieser Saison dirigiert Lothar Koenigs.
Als Richard Strauss’ Vertonung von Oscar Wildes Drama «Salome» 1905 uraufgeführt wurde, waren die Zeitgenossen schockiert. Marie Wittich, die erste Interpretin der Titelrolle, hat es zunächst abgelehnt, die Partie zu übernehmen, weil sie eine «anständige Frau» sei. Noch nie war Sexualität, waren die Männerfantasien des Weiblichen so unverhüllt auf der Opernbühne präsentiert worden. Dieser Ruch des Skandals hat sich im Lauf der Rezeption verflüchtigt.
Im Gegenteil, seit Anja Siljas Verkörperung der Salome – erstmals 1962 unter Wieland Wagner in Stuttgart – hat sich das Bild einer narzisstischen Selbstdarstellung, quasi einer Domina des Sexus durchgesetzt, das den Voyeurismus weniger denunziert als ihn geradezu herausfordert. Mit dieser Sicht bricht der russische Regisseur Kirill Serebrennikov in seiner Stuttgarter Inszenierung, einem beklemmenden Lehrstück über Begehren, Gewalt und Tod. Er taucht die Oper weder in die schwüle Atmosphäre eines Fantasieorients, noch zeigt er Salome als laszive Erotomanin, sondern verlegt die Handlung ganz ins Heute einer Wohlstands-Society mit muslimischem Hintergrund und kontert so Strauss’ rauschhafte Musik mit einer kompromisslos radikalen Szene.
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Uwe Schweikert
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