Unauffällig

Puccini: Tosca (Savonlinna)

Opernwelt - Logo

Die alte Burg von Savonlinna hat schon viele Opern gesehen in der bald 100-jährigen Geschichte der Stadt als Festspielort. Doch keine scheint so gut dorthin zu passen wie «Tosca». Beim Anblick des massiven mittelalterlichen Mauerwerks rückt die Engelsburg vor das geistige Auge, und Regisseur Keith Warner lässt auch gleich zu Beginn der diesjährigen Neuproduktion den Flüchtling Angelotti (Matias Tosi) von ganz oben auf die Bühne herabseilen. Das war dann aber auch schon der letzte direkte Bezug zum Genius Loci. Der Rest des Abends könnte auf jeder Bühne der Welt spielen.

Warum Warner die gesamte Oper auf einem mit Mausoleen vollgestellten Friedhof ansiedelt, bleibt sein Geheimnis. Den einen oder anderen Einfall hat er zwar noch: So entpuppt sich Scarpias großer Tisch, nachdem das Tischtuch weggezogen ist, als marmorner Sarg, in den der Bösewicht prompt hineinfällt, nachdem ihn Tosca erstochen hat. Aber insgesamt schnurrt hier eine unauffällige Inszenierung vor grandioser Kulisse ab – eine Kulisse, die es der Regie zugegeben schwer macht, eigene Akzente zu setzen, denn die Mauern des Burghofs sind visuell äußerst dominant und müssen jedes Mal aufs Neue ins Bühnenbild integriert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2010
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Udo Badelt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Blickwechsel

Multikulti und Barock – geht das zusammen? Ja, sagt der argentinische Musiker und Dirigent Gabriel Garrido in einem Interview für das Festival «Theater der Welt», das in diesem Jahr in Mülheim und Essen Station machte. «Die Welt des Barock öffnet sich anderen Welten, reist um den Planeten, entdeckt das Universum. ... Das Expressive des Barock ist ein Gegengift...

Die Mühen der Ebene

Der Kreis des ersten Jahres hat sich geschlossen. Kölns neuer Opern-Intendant Uwe Eric Laufenberg hat nach der ersten nun auch die letzte Saison-Premiere selbst in Szene gesetzt, auf die «Meistersinger» (vgl. OW 10/2009) folgte nun «Don Giovanni».

Zu hohe Maßstäbe sollte man allerdings nicht anlegen, schließlich gilt es zu bedenken, auf welch bescheidenem Level das...

Eleganz und Klangfülle

Nach Giulietta Simionato und Giuseppe Taddei ist nun innerhalb weniger Wochen ein weiterer italienischer Gesangsheros der Nachkriegszeit dahingegangen. Der Bassist Cesare Siepi starb am 5. Juli in Atlanta im Alter von 87 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Seine Karriere dauerte länger als ein halbes Jahrhundert. Obwohl sein Repertoire für einen Italiener...