Um einen Händel von innen bittend
Die Händel-Festspiele Göttingen befinden sich im Umbruch. Im November 2011 trat Laurence Cummings die Nachfolge Nicholas McGegans als Leiter des ältesten Barock-Festivals nicht nur Deutschlands, sondern der Welt an. Der 43-jährige Cembalist und ehemalige Kathedral-Chorknabe aus Birmingham hat die kleine Universitätsstadt im Sturm erobert. Mit seiner Überzeugung, dass Händel der Größte sei, steckt er Musiker, Mitarbeiter sowie das englisch-deutsche Stammpublikum an. Dennoch trägt die aktuelle Ausgabe nur partiell seine Handschrift.
Spielplan und Besetzungen stammen großteils von dem interimistisch agierenden Vorsitzenden der Göttinger Händel-Gesellschaft. Ein Urteil wäre also verfrüht. Dennoch ließ Cummings’ gefeierte Interpretation der Serenata «Aci, Galatea e Polifemo» in der (nicht zuletzt akustisch) wenig stimmungsvollen Stadthalle erkennen, dass auch unter ihm in Zukunft britische Künstler und der britische Händelstil in all seinen Varianten starke Akzente setzen werden.
Insgesamt ist Cummings ein Poet des weichen, «schönen» Stils, der die lyrischen, besinnlichen, romantischen Farben Händels hervorkehrt und auf dieser Grundlage, wo nötig, mit großem Körpereinsatz Virtuosität, ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Boris Kehrmann
Eisig mutet die Musik an, wie gefroren. Mit Nachdruck bohrt sie sich in die Gehörgänge, reibungsreich in der klirrend-angespannten Harmonik, schneidend immer wieder, Verzweiflung und Schönheit in eins setzend, alles andere als geschickt lancierte Dutzendware. Es ist aber auch Musik von einer Empfindungstiefe sondergleichen. «Gelido in ogni vena» heißt die Arie,...
Er ist und bleibt ein Spieler. Ein homo ludens, der mit kindlicher Freude Figuren in prachtvollen Kulissen bewegt. Und dabei, egal was er anpackt, immer zu gewinnen scheint. Niemand schlägt auf der Opernbühne aus dem eigenen Spieltrieb buntere Funken. Keiner treibt auf der Suche nach dem ultimativen spectaculum den Apparat so virtuos zum Wahnsinn. Wenn Stefan...
Manchmal werden ja wirklich Dinge beim zweiten Mal präziser, logischer, auch schöner. So ist es jetzt jedenfalls David Alden widerfahren. Der scheint sich neuerlich auf längere Regiesicht mit Händel zu beschäftigen, so wie er es früher in seiner meist hollywoodbunten, quietschigen Inszenierungsreihe an Peter Jonas’ Bayerischer Staatsoper vollführt hat. Nach seiner...
