Überraschungserfolg
Ambitionierter Doppelschlag am kleinen Theater Koblenz: Intendant Markus Dietze und Operndirektorin Gabriele Wiesmüller setzen mit «La Navarraise» und «Les Boulingrin» von Georges Aperghis (in deutscher Erstaufführung) hauseigene Reihen fort – die eine gilt Werken des in Deutschland nach wie vor unterbelichteten Jules Massenet (den Anfang machte man mit seinem «Don Quichotte» und «Werther»), die andere dem zeitgenössischen Musiktheater. Aber das ist auch schon alles, was diese beiden Stücke verbindet.
In «La Navarraise», einer «Episode lyrique» von 1894, verbindet Massenet veristische Drastik mit einer wirksamen Leitmotiv-Technik. Die Geschichte: Armes Mädchen liebt reichen Soldaten, dessen Vater eine hohe Mitgift fordert. Um diese aufzubringen, tötet Anita einen feindlichen General. Das Blutgeld macht sie reich – doch der dem militärischen Ehrenkodex verhaftete Geliebte verurteilt sie für die Tat, sie stirbt über der Enttäuschung. Starker Tobak für 45 Minuten Musik – der Stoff hätte gut und gern für eine abendfüllende Oper gereicht. Regisseur Matthias Schönfeldt interessiert sich in der weißen Tristesse einer Kaserne vor allem für die Leidensgeschichte der liebenden Frau. Das ...
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Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Claus Ambrosius
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