Übereifer
Verdis «Don Carlo» verschiebt Schillers Perspektive, indem er die Innenansicht der Macht in den Vordergrund stellt. Diese bildet auch eines der Hauptthemen von Beverly Blankenships Regie, womit die Gestalt König Philipps II. in den Mittelpunkt rückt: ein Mächtiger, der ohnmächtig der Allgewalt der Kirche ausgeliefert ist.
Blankenship und ihre Bühnenbildnerin Heidrun Schmelzer haben in dunkelroten und schwarzen Farben das Bild eines in Furcht erstarrten, düsteren Spaniens entworfen.
Massige, hohe, verstellbare Quaderblöcke bestimmen in jeweils unterschiedlichen Formationen den Spielrahmen; das Kreuz als bedrückendes Symbol beherrscht die Sicht. Bevölkert wird die unheilschwangere Szenerie von Flagellanten, Mönchen in weißem Gewand, oft mit von Kapuzen verdeckten Gesichtern, vorwiegend aber von dunkel gekleideten Gestalten. Schwarz tragen sogar die verschleierten Hofdamen, die in der Gartenszene einer Trauergemeinde gleichen. Die Allgegenwart von Agenten der Inquisition schafft eine Atmosphäre ständiger Bedrohung. Unmissverständlich die nach wie vor aktuelle Anspielung auf ein autoritäres Staatsgebilde, in dem Willkür und Gewalt jedes persönliche Glück ersticken.
Blankenship erzählt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sullivan ohne Gilbert – geht das, gibt’s das? Ja, wie uns der Mitschnitt seiner letzten fertiggestellten komischen Oper «The Rose of Persia» zeigt, die 1899 am Londoner Savoy Theatre erfolgreich uraufgeführt wurde. Irgendwann hatte sich Arthur Sullivan (1842-1900) mit seinem langjährigen Librettisten und Geschäftspartner William Schwenck Gilbert, dessen Arbeiten er...
Er ist der Mann für die tönende Zeitgeschichte, doch John Adams legt Wert darauf, keine «CNN-Opern» zu schreiben, auch wenn er schon «Nixon in China» zum Tanzen aufgefordert hat. Mit «The Death of Klinghoffer» brachte er einen Terrormord palästinensischer Extremisten an einem jüdischen US-Bürger auf die Bühne und sich selbst wegen vermeintlich antisemitischer...
«Guillaume Tell» gehört zu den Schlüsselwerken der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts. Rossini hat mit diesem 1829 für Paris komponierten Werk den entscheidenden Schritt über Spontini und Auber hinaus zu jenem Gesamtkunstwerk aus Wort, Musik, Tanz und Szene getan, das dann als Grand Opéra Schule machen sollte. Das von Rossini selbst entscheidend beeinflusste...
