Überambitioniert
Schmutzige, düstere Schäbigkeit, ein aufgegebenes Hochhaus bietet den Opfern der Geschichte und der zerstörten Natur Unterschlupf. Die Stadt Babylon wurde zerstört, nie wieder soll sie erbaut werden – so zitiert ein «Skorpionmensch», ein Cyborg mit metallenem Stachel, alttestamentarische Propheten zu Beginn der Oper «Babylon» von Jörg Widmann und Peter Sloterdijk.
Nach der Uraufführung an der Bayerischen Staatsoper gönnt sich die Berliner Lindenoper die zweite Produktion des Werks; und damit das nicht ganz so nachgeordnet und zweitrangig klingt, nennt auch sie sich «Uraufführung» – der zweiten, um 20 Minuten gekürzten Fassung nämlich.
Hier sollen die ganz großen Themen gewälzt werden – oder doch nicht? Nach dem düsteren Vorspann beginnt die Handlung entspannt: Eine Frauenstimme namens «Seele» beklagt in einer langen Arie die Trennung von ihrem «liebsten Freund, ihrem Selbst». Der wiederum, Tammu heißt er und ist ein jüdischer Exilant in Babylon, singt in einer ebenfalls ausladenden Arie von seinem Begehren der Liebespriesterin oder -göttin Inanna, die als gackerndes Mädchen im roten knappen Glitzerkleid auftritt. Mit ihr stimmt Tammu ein langes Duett an, das in die Worte «Wo du ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Peter Uehling
alpha
05.05. – 20.15 Uhr
Vineta – Versunkene Stadt
Der «Echo Klassik» in der Kategorie «Ensemble/Orchester des Jahres» ging 2014 an den Chor des Bayerischen Rundfunks für eine CD mit Chormusik von Alfred Schnittke und Arvo Pärt. Teile daraus finden sich auch im Soundtrack zu dem experimentellen Konzertfilm «Vineta – Vokale Visionen».
arte
05.05. – 17.40 Uhr
Andris...
Spätestens seit die USA vor drei Monaten aus dem INF-Vertrag über die Stationierung von Mittelstreckenraketen ausgestiegen sind, ist offensichtlich, dass mit dem Zerstörungspotenzial der Atombombe zwischen den Großmächten inzwischen wieder so unverhohlen gedroht wird wie zu Zeiten des Kalten Kriegs. Diese nach wie vor bestehende tagespolitische Relevanz ist nur...
Sein Blick richtete sich stets nach vorn. «Ich lebe keine Sekunde in der Vergangenheit», betonte Harry Kupfer 2002, anlässlich seines Abschieds von der Komischen Oper, im Gespräch mit dem Berliner «Tagesspiegel». 21 Jahre hatte er da an der Spitze des Hauses gestanden, länger sogar, als es dem Gründer Walter Felsenstein vergönnt war. «Und doch kommt es mir vor,...
