Triumph der Sinnlichkeit

Barcelona, Martín y Soler: L’arbore di Diana

Opernwelt - Logo

Einzig mit den 66 Takten aus seiner Oper «Una cosa rara», die sein Kollege Mozart ins Finale des «Don Giovanni» eingearbeitet hat, konnte sich der spanische Komponist Vicente Martín y Soler (1754-1806) dauerhaft in der Musikgeschichte festschreiben, während sein übriges Werk, das mehr als 60 Opern umfasst, lange Zeit in Vergessenheit geraten war. Dabei hatte Mozarts Hommage durchaus einen tieferen Grund.

Als der Spanier 1785 in Wien eintraf, nahm er das dortige Publikum im Sturm, und die drei Opern, die er in Zusammenarbeit mit Lorenzo da Ponte schrieb, hatten mehr Erfolg als diejenigen Mozarts. In den Memoiren des Librettisten nimmt er weit größeren Raum ein als dieser. Jahre später kam es in London zu einer weiteren Zusammenarbeit.
Als da Ponte am Libretto von «L’arbore di Diana» arbeitete, war er zugleich mit Mozarts «Don Giovanni» und Salieris «Axur, rè d’Ormus» beschäftigt. Seinem ungläubigen Brotherren Joseph II. erklärte er seine Arbeitsmethode so: «Nachts schreibe ich für Mozart und denke dabei an Dantes ‹Inferno›. Morgens schreibe ich für Martini, und das ist so gut, als studierte ich Petrarca. Abends für Salieri, und das ist mein Tasso.» Seine Arbeitshilfen waren «eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2009
Rubrik: panorama, Seite 47
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Alle gegen einen, eine gegen alle

Christoph Meyer, der neue Intendant der Deutschen Oper am Rhein, hat seine erste Spielzeit mit zwei Paukenschlägen begonnen: Benjamin Brittens «Peter Grimes» im Opernhaus Düsseldorf und Richard Strauss’ «Salome» im Theater Duisburg. Musikalisch liegen zwischen Brittens sprödem Bekenntniswerk und Strauss’ mit der tödlichen Präzision eines Uhrwerks ablaufendem...

Das Orchester spricht

Über den Ansatz, der ihn bei seinem «Wozzeck» leitete, gab Alban Berg in einem 1928 erschienenen Aufsatz präzise Auskunft: «Die Musik so zu gestalten, (…) dass sie alles, was dieses Drama zur Umsetzung in die Wirklichkeit der Bretter bedarf, aus sich allein herausholt, damit schon vom Komponisten alle wesentlichen Aufgaben eines Regisseurs fordernd.» Damit ist...

Eine Nase für Talente

Herr Clémeur, Sie waren achtzehn Jahre lang Intendant der Vlaamse Opera in Belgien. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe als Intendant der Opéra national du Rhin?
Straßburg liegt im Herzen von Europa. Hier kamen schon immer wichtige Straßen zusammen. Deutschland ist ganz nah, auch die Schweiz ist nur ein paar Kilometer entfernt. Das Publikum ist sehr...