Tradiridirom!
«Wirf dies ererbte Grau’n von Dir», kalmiert der Sensenmann in Hugo von Hofmannsthals «Der Tor und der Tod». Denn: «Ich bin nicht schauerlich, bin kein Gerippe! / Aus des Dionysos, der Venus Sippe / Ein großer Gott der Seele steht vor dir.» Das gibt dem Toren Zuversicht. Und es trifft sich mit der im Booklet von Johannes Martin Kränzles Album «Das ewige Rätsel» gestellten Anleitung, der Endlichkeit ins Auge zu blicken. Wodurch man nicht nur an Bewusstheit und Einsicht gewinne, sondern darüber hinaus an Demut, Dankbarkeit, Gelassenheit, Humor.
Solch «ererbtes Grau’n» befällt auch Hofmannsthals prominentesten Toren, den Jedermann. Frank Martin (1890-1974), heute eher an den Rand der Rezeption geraten, hat die Monologe aus dem «Leben und Sterben des reichen Mannes» 1943 in die für ihn so typische, suggestiv-herbe, seltsam verfremdete, calvinistische Strenge nahelegende Musiksprache gehüllt. Der von Trotz und Auflehnung über Bangen und Hoffen zu Ergebenheit führende Zyklus bildet quasi die Spindel dieses Recitals und könnte auch als persönliches Zeugnis Kränzles gelesen werden. Denn bei ihm war vor drei Jahren eine lebensbedrohende Knochenmarkserkrankung festgestellt worden; durch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2018
Rubrik: CD des Monats, Seite 31
von Gerhard Persché
Wiedereröffnung
Das Warten hat ein Ende. Nach rund sechsjähriger Sanierung ist das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth wieder spielbereit. Das erste Stück: Hasses «Artaserse». Ein Bericht
Marianne Crebassa
Nach ihrem Salzburg-Debüt in der Titelpartie von Dalbavies «Charlotte Salomon» erregte die französische Mezzosopranistin dort 2017 als Sesto in Mozarts «Tito»...
Es lebt sich anscheinend nicht allzu unangenehm auf einer verlassenen Insel. Gut, einige Büschel getrockneter Gräser und etwas Tigerfell sind den Damen nach 13 einsamen Jahren über die Roben gewachsen. Aber das Unzivilisierte bleibt noch immer zivilisiert, ebenso wie sich Felsen und Wälder in geordneten Bahnen zur klassischen Gassenbühne staffeln. Wir sind...
Noch einmal bauscht der Vorhang zur Seite, und da stehen sie, jubelumbrandet, im Rosenregen: Gwyneth Jones, die erste Feldmarschallin, Brigitte Fassbaender, ihr Octavian, «Otti» Schenk, Jürgen Rose – eine Verbeugung vor dem Strauss-Dreamteam der 1970er-Jahre, eine Huldigung, bevor dieser «Rosenkavalier», Inszenierungsikone, lange von Carlos Kleiber dirigiert und an...
