Tönend bewegt
Sechs Jahre sind verstrichen, seit die von der Mailänder Scala und der Opéra national de Paris koproduzierte Monteverdi-Trilogie mit «L’Orfeo» an den Start ging. Zwei Jahre später als geplant wurde der Zyklus nun in Mailand mit «L’incoronazione di Poppea» abgeschlossen – nach einer Voraufführung im Pariser Palais Garnier (siehe OW 8/2014). Rinaldo Alessandrini hatte das Mehr an Zeit unter anderem dafür genutzt, eine Besetzung zusammenzustellen, von der er sich intime Vertrautheit mit den stilistischen Besonderheiten, dem «italienischen» Flair des Stücks versprach.
Das ließ bereits im Vorfeld der Premiere aufhorchen. Gute Nachrichten, zumal ein anderes Monteverdi-Projekt, von René Jacobs für das Théâtre Royal de La Monnaie konzipiert, angesichts der auch in Belgien grassierenden Rotstiftpolitik unlängst vom aktuellen Brüsseler Spielplan gestrichen werden musste.
Um es vorwegzunehmen: Musikalisch blieben an der Scala so gut wie keine Wünsche offen. Alessandrini – er betreute seit 1997 insgesamt sechs Produktionen von «L’incoronazione di Poppea» und dirigierte rund 70 Vorstellungen – hatte nicht zu viel versprochen. Aus den beiden überlieferten Partituren, den Manuskripten aus Venedig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Carlo Vitali
Um Kopf und Kragen
110 Jahre alt ist sie mittlerweile und lässt immer noch die Schleier fallen: Strauss’ «Salome». Auch in diesem Jahr tanzt die Blutrünstige munter durch die Opernlandschaft. Zum Beispiel in Coburg, Detmold und Bonn. Wir haben uns umgesehen.
Kitsch und Kälte
Dmitri Tcherniakov ist bekannt für die Mischung von Abgrund und Oberfläche, den sezierenden...
Arie, Duett, Ensemble. Liebe und Verrat. Staatsaffären und private Seelenpein. Der Plot von James MacMillans erster Oper «Inés de Castro» – 1996 uraufgeführt und von manchen als die schottische Antwort auf «Peter Grimes» gepriesen – könnte geradewegs aus Donizettis Zeiten kommen, so vorgestrig wirkt er. Auch musikalisch nimmt MacMillan Anleihen in der...
Sie sind schon da, als die Pauke und drei Dissonanzen den Reigen folgenschwerer Missverständnisse eröffnen. Rogoschin, der Dandy. Nastassja, die Umschwärmte. Lebedjew, der Strippenzieher. Und die anderen traurigen Gestalten, die in einem schäbigen Salon fröstelnd darauf warten, dass endlich was passiert. Dass jemand eintritt und die Starre löst, die auf den...
