Tod der Toblerone!
Auf leerer Bühne treibt eine Insel in den charakteristischen Formen der Schweiz ziellos über den See, während im Hintergrund eine Europa-Karte funkelt: Das Schlussbild der Zürcher Neuproduktion von Rossinis «Guillaume Tell» fasst aktuelle Probleme der Schweizer Befindlichkeit in ein prägnantes Bild. In Adrian Marthalers Inszenierung sind die mythischen Ereignisse von 1291 ins «Hier und Heute» transferiert: Am Ende des ersten Akts will ein EU-Kommissar Schweizer Goldbarren behändigen, während seine Soldaten eine riesige Toblerone mit der Axt aufteilen.
Das ist oft witzig, bleibt im Assortiment geläufiger Schweiz-Klischees ziemlich harmlos und folgt der Prämisse, man könne diesen «urschweizerischen Mythos […] in jedem anderen Land einfach als Geschichte erzählen», während es «in der Schweiz» um die Rezeption dieser «lieb gewordenen Mythen» gehen müsse (Marthaler).
Aber was, wenn diese Prämisse nicht stimmt? Im – wieder einmal vorrevolutionären – Paris von 1829 hatte man den sagenhaften Tyrannenmörder aus Uri ja nicht deshalb auf die Bühne gestellt, weil man sich für die Schweiz interessierte, sondern weil man eine Geschichte erzählen wollte: eine Geschichte von unvorstellbaren ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Anselm Gerhard
Unser Stimmklang wird durch die perfekte Koordination von Atmungs-, Kehlkopf- und Artikulationsbewegungen erzeugt, Bewegungen, die zu den komplexesten gehören, zu denen der Mensch fähig ist. Und doch hat die Tonproduktion ein physiologisches Zentrum, das oft mit der gesamten Stimme gleichgesetzt wird: die Stimmbänder, die physiologisch zutreffender eigentlich...
Die Anmutung erinnert an ein Renaissance-Gemälde: die klaren Linien und Proportionen, die Harmonie der Formen und Farben, die Überfülle der Details, der souverän überschauende Blickpunkt. Das fotografische «Porträt» des Auditoriums im Gran Teatre del Liceu wirkt wie eine Komposition, wie das Werk eines Künstlers, der seinen Gegenstand mit den Augen des Architekten...
Beethovens Erstfassung des «Fidelio» wurde auf CD bislang stets als «Leonore» veröffentlicht. Groß ist die Auswahl nicht. Die früheste Einspielung entstand 1950 unter Hans Altmann, ein Jahr später folgte die erste Vergleichsaufnahme unter Ferdinand Leitner. Die bekannteste Einspielung, unter John Eliot Gardiner, von 1996, folgt einer Mischfassung der Versionen von...
