Tierisches (Miss)Vergnügen
Eine Schafsherde trippelt auf die Kirche zu. Noch ahnt die Gemeinde kaum, wie ihr geschieht. Doch der Zuschauer weiß: alles auf Anfang! Die feine Gesellschaft, die gerade erst mit einer Messe ihre Befreiung aus der Villa gefeiert hat, sitzt schon wieder fest.
So endet Luis Buñuels Film «El ángel exterminador» (1962). Durch die Salzburger Gassen traben bloß Fiakerpferde. Die Festspiele wirken trotzdem ein wenig wie steckengeblieben.
Sven-Eric Bechtolf besorgt – zur Erleichterung der Festspielfinanzen, zum Ärger der Fachpresse (siehe OW 11/2013, 9-10/2014 und 2015) – die Mozartpflege selbst, in seinem zweiten und letzten Jahr als Interimsintendant allerdings bloß mit Wiederaufnahmen der Da-Ponte-Opern. Von den Opern-Neuproduktionen steht nur Gounods «Faust» noch aus (Bericht in OW 11/2016). Im Großen Festspielhaus ließ man Alvis Hermanis auf Richard Strauss’ vorletzte Oper «Die Liebe der Danae» los – nach 1952 und 2002 gibt es das Stück damit zum dritten Mal in Salzburg zu sehen. Die nur halbwegs «heitere», völlig apolitische «Mythologie» sollte im Kriegsjahr 1944 bei den Festspielen uraufgeführt werden, doch nach dem Stauffenberg-Attentat blieb’s bei der Generalprobe. Gegenüber ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Wiebke Roloff
Berlioz, szenisch? Gab es in Moskau lange nicht. Im Bolschoi Theater dirigierte Alexander Vedernikov 2002 «La Damnation de Faust» – konzertant. Überdies fehlten ihm damals, wie er selbst befand, zwei Wochen Probezeit. Der aktuelle Generalmusikdirektor, Tugan Sokhiev, führte im April dieses Jahres in einem Galakonzert Berlioz’ Requiem auf, wobei zwar der Chor des...
Eigentlich haben Szene und Musik bei den Bayreuther «Parsifal»-Aufführungen nur selten zusammengepasst. Die Diskussion setzte schon wenige Jahre nach der Uraufführung ein, als Felix Mottl das Dirigat von Hermann Levi übernahm und damit – so hörten es jedenfalls die Antisemiten, darunter Witwe Cosima – das Stück insgesamt neu beleuchtete. Hans Knappertsbusch hasste...
Was können wir wissen? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen? Das sind, nach Kant, die Grundfragen des auf Vernunft gegründeten Lebens. Sapere aude! – der vor 232 Jahren formulierte Appell des aufgeklärten Geistes aus Königsberg ist bis heute nicht eingelöst. Und erst recht nicht erledigt. Wie ein verdecktes Leitmotiv hallt er durch das Werk von William...
