Tanzend ins Nichts
Ein Adliger schwängert ein Bauernmädchen und lässt es dann sitzen. Drei Akte lang hofft die Verlassene auf seine Rückkehr, doch als sie Zeugin seiner Hochzeit mit einer standesgemäßen Braut wird, stürzt sie sich von einem Felsen. Gerade erst hat Regisseur Michael Sturm Stanislaw Moniuszkos 1858 uraufgeführte «Halka» am Pfalztheater Kaiserlautern vorsichtig verfremdet (siehe OW 7/2015). Am Teatr Wielki in Poznan beruft sich Regisseur Pawel Passini ebenfalls auf einen dritten Weg zwischen brachialem Regietheater und konservativem Konzert im Kostüm: die Poetisierung.
Für seine Inszenierung der polnischen Nationaloper lässt er die Choristen von seiner Ausstatterin Zuzanna Srebrna in Fräcke stecken – im Antagonismus von die und wir stellen sie die gefühlskalten Wohlstandbürger dar. Halka und ihre Leute dagegen sind Waldwesen, tragen Hörner oder gar Tierköpfe. Ihre Sphäre ist die Bühne, die Zauberwelt des Guckkastens, und wann immer sie auftreten, ist die Szene in diffuses Licht getaucht. Den Schwalbenschwanzträgern wiederum gehört der Saal, im Parkett und auf den Rängen feiern sie Janusz und seine hochwohlgeborene Zukünftige.
Mit zögernden Schritten wird der Edelmann später die Brücke ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Frederik Hanssen
«Verdi ist der am schwierigsten zu inszenierende Opernkomponist» – so Sergio Morabito 2013 in einem Interview. Verdis erfundene Wirklichkeiten beharren unerbittlich auf Ort, Raum und Zeit. Flotte Aktualisierung der Emotionen, Charaktere, Situationen und Geschichten, mit denen sie spielen, verfehlt ihren Sinn. Jossi Wieler und Sergio Morabito sind darum in ihrer...
Die Musik ist ein gemischter Salat, angerichtet von vielen Könnern», besagte ein Bonmot neapolitanischer Impresari über die Gattung des Pasticcio. Das beherzigte mitunter auch der geschäftserfahrene Georg Friedrich Händel: Für seine Saison-Menus am King’s Theatre in London rührte er je nach Bedarf und Auslastungszahlen Pasticci aus der neapolitanischen Küche...
Vor genau 2000 Jahren überquerte der römische Feldherr Germanicus mit vier Legionen den Rhein, um im Kampf gegen die von Arminius geführten Germanen die Katastrophe der Varusschlacht auszubügeln – für das nahe dem Schlachtort gelegene Theater Osnabrück der Anlass, Georg Philipp Telemanns Oper «Germanicus» auf den Spielplan zu setzen. Das Stück des als...
