Szenisch verschenkt
Knuddelig schauen sie aus, die drei Bernhardiner! Sie tragen zwar Prothesen, doch schließen wir sie deswegen umso inniger ins Herz. Leider sind die fantastischen Drei nicht echt, sondern nur Einrichtungsgegenstände, uns vage bekannt aus Haushalten von Zeitgenossen, die viel Geld und wenig Geschmack haben.
Wollte Regisseur Mariano Pensotti damit auf die «herrschende Klasse» verweisen, deren Privilegien er im Programmheft ebenso geißelt wie das «System juristischen Unrechts» und die Zurichtung des «weiblichen Körpers als Schlachtfeld» durch das Patriarchat? Dann hätte er nicht nur die falsche Rasse gewählt. Denn in Alberto Ginasteras 1971 uraufgeführter, letzter Oper symbolisiert das Hundegebell namenloses Grauen. Wer diese Kreaturen unbedingt auf die Bühne bringen muss, sollte wenigstens Dobermänner nehmen, wie es vor drei Jahren Alejandro Tantanian in seiner meisterlichen Inszenierung am Teatro Colón in Buenos Aires getan hat. Wirklich nötig ist es allerdings nicht, birgt doch schon Ginasteras Partitur all den Horror eines Sujets, das die Knechtung und Vergewaltigung der jungen Beatrix durch ihren Vater zum Inhalt hat, samt Rachemord und finaler Hinrichtung, begleitet von ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Volker Tarnow
«Ins Feld! Ins Feld! / Zur Schlacht! / Zum Sieg! Zum Sieg! / In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!» Der missverständliche und in der Tat ja nicht erst von den Nazis missbrauchte Schluss war schon für Ingeborg Bachmann ein Problem, als sie 1958/59 für Hans Werner Henze Kleists Schauspiel «Der Prinz von Homburg» als Operntext einrichtete. Bewusst implantierte sie...
Man sieht es und staunt: Keine Männer in Doppelripp oder Uniform, keine Vergewaltigung, kein Blut. Und auch keinerlei Ersatz mehr für den Sonntagabend-«Tatort». Dabei könnte Alexander Zemlinskys oft autobiografisch gedeuteter «Zwerg» – der Komponist war extrem klein und galt als hässlich – die erschütterndsten Metaphern liefern, etwa für die Ausgrenzung von...
In der Musik das Leben der Tschechen!» Bedřich Smetanas Motto markiert schlaglichthaft die Verbindung von Nation und Tonkunst. So schön dies auch klingen mag, so unvermeidlich führt die Formel auch auf vermintes Terrain: das der «Völkerpsychologie» – fatal, weil hier Halbfalsches und Halbwahres ineinandergreifen, wobei gerade Letzteres oft sogar gefährlicher ist....
