Synergetische Klangkunst
Franz Liszt ist einer der wenigen Komponisten des 19. Jahrhunderts, der alle Gattungen kompositorisch bedacht hat: Solostück, Kammermusik, Orchesterwerk, Lied, Messe und Oratorium, Konzert und Oper. Doch ausgerechnet die Oper wirkt wie ein Fremdling in seinem ansonsten so üppigen Werkkatalog. Als Jugendlicher versucht er sich an «Don Sancho ou Le Château de l’Amour»/«Don Sancho oder Das Liebesschloss» nach einem Text von Théaulon.
Liszts Herz-Schmerz-Musik gerät zu einem bunten Eintopf mit fast willkürlichen Zutaten aus der Musikgeschichte: hier ein bisschen Mozart und Gluck, dort etwas Belcanto, dazu einige düstere Bewegungen im Orchester, die mit viel Fantasie
etwas vom späteren Liszt vorwegnehmen. Als «Don Sancho» am 17. Oktober 1825 in der Pariser Grand Opéra unter der Leitung von Rudolph Kreutzer uraufgeführt wird, ist der Erfolg dürftig. Nach wenigen Aufführungen verschwindet die Oper vom Spielplan. Kuriosum im Liszt-Jahr: der Wiederbelebungsversuch durch eine ungarisch-bayreuthische Koproduktion mit Katharina Wagner als Beraterin (siehe Seite 75).
Im Jahr 1842 liebäugelt Liszt mit einer Oper «Le Corsaire» nach Byron und wenig später, noch vor Schumann, mit dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Franz Liszt 200, Seite 72
von Christoph Vratz
Der Bodensee ist eine Badewanne. Aber nicht irgendeine. Sondern gleich die berühmteste Wanne der politischen Geschichte. Kein Geringerer als Jean-Paul Marat sitzt hier, jener erst als Publizist der Schlächter wütende, dann zur Milde neigende Volkstribun, den am 13. Juli 1793 die fromme und friedliebende normannische Jungfrau Marie Charlotte Corday d’Armont in...
2005 lieferte die damals in breiten Kreisen wenig bekannte Danielle de Niese in Glyndebourne die Cleopatra in Händels «Giulio Cesare» als perfekte Music-Hall-Nummer ab, tits, hips and ass, mit schnittigen Koloraturen, doch vokal insgesamt nicht so, dass man in Verzückung gefallen wäre. Dies würde, mutmaßte man, eine jener Karrieren werden, die sich einem Hören mit...
Aufnahmen im Mehrkanalton-Verfahren tendieren oft zu einer gewissen Weichzeichnung. Der Klang ist räumlicher, aber oft auch weniger scharf konturiert. Man mag das bedauern, doch dem «Parsifal», der im Dezember 2010 mit den Philharmonikern des Niederländischen Rundfunks unter Jaap van Zweden anlässlich einer konzertanten Aufführung in Amsterdam mitgeschnitten wurde,...
