Stimmenfest
Wer der notorischen Händel-Renaissance auf den deutschen Bühnen etwas entgegensetzen will, bekommt vom Plattenmarkt eine gute Vorlage: Besonders das französische Label Naïve hat sich um die Wiederbelebung des italienischen Barockmeisters Antonio Vivaldi verdient gemacht und hochgelobte Gesamtaufnahmen vorgelegt, Sängerinnen wie Cecilia Bartoli oder Simone Kermes haben mit aufsehenerregenden Solo-Recitals nachgezogen.
Ganz am Anfang dieser Wiederentdeckung stand eine Vivaldi-Oper, die sich sehr schnell einen neuen Namen machen konnte: seine Vertonung des «Rasenden Rolands» mit allem, was barockes Zaubertheater braucht und hergibt im Liebesgetümmel auf Alcinas Zauberinsel. Ein starker Titelheld inklusive Wahnsinnsarie dazu – fertig ist das schmackhafte Heldenepos mit hinreißender Musik.
Nur wenige Wochen vor der Premiere des Bonner «Orlando» ist die Regisseurin Aurelia Eggers für einen erkrankten Kollegen eingesprungen – herausgekommen ist trotzdem kein Notbehelf. Die Regisseurin tut ihr Möglichstes, um die Irrungen und Wirrungen im Spiel der Figuren so klar als möglich auszustellen. Das ist handwerklich seriös gelöst – und in vielen Momenten pointiert gelungen. Verdient herzlichen ...
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Zwei Stücke aus der Hohen Messe, zwei aus der Johannes-, drei aus der Matthäus-Passion, eine Handvoll Kantaten-Arien: David Daniels’ Bach-Recital «Sacred Arias & Cantatas» ist gewöhnungsbedürftig. Vor allem, weil die Dramaturgie der CD Fragen aufwirft. Auf das kontemplative «Qui sedes» folgt das «Agnus Dei», dessen g-moll-Depression keinen Sinn macht ohne den...
In seiner mit Spannung erwarteten Stuttgarter Inszenierung hat Karsten Wiegand Verdis «Aida», man kann es nicht anders sagen, in den Sand gesetzt. Er ließ sich von Bärbl Hohmann einen goldglänzenden Kasten auf die Bühne wuchten: Antichambre für die wartende Priester- und Hofkamarilla einer totalitären Diktatur, auswegloses Gefängnis für drei junge Menschen – Aida,...
Das Ende gehört den Opfern. Während das Opernvolk auf der Bühne mit seinen schwarzgläsernen Schutzbrillen noch ganz im Bann der ersten Testzündung der Atombombe verharrt, setzen die letzten Minuten des «Doctor Atomic» zum Sprung durch Zeit und Raum an. Nur die zaghafte Stimme einer Japanerin, die für ihr Kind um ein Glas Wasser bittet, klingt aus den Lautsprechern...
