Stil statt Stimme
Die Geschichte des Operngesangs im Frankreich des 20. Jahrhunderts ist ein trauriges Kapitel: Galt um 1900 Paris mit seiner prunkvollen Opéra noch als Opernhauptstadt der Welt, war ein halbes Jahrhundert später von der alten Herrlichkeit so gut wie nichts mehr übrig.
Die französischsprachigen Grand Opéras von Gounod, Thomas und Meyerbeer waren überall in der Welt von den Spielplänen verschwunden, und selbst bei den Werken, die sich im Repertoire gehalten hatten, wurden die stilistischen Leitbilder spätestens seit Ende des Ersten Weltkriegs nicht mehr in Paris, sondern in New York aufgestellt: Gigli, Schipa und Björling gaben vor, wie Faust, Werther und Romeo zu singen waren, der originär französische Opernstil wurde trotz imponierender Ausnahmeerscheinungen wie Georges Thill und Ninon Vallin zum Regionalphänomen. Eine Entwicklung, die sich heute noch daran zeigt, dass es auf dem CD-Markt von Anthologien mit Met-Stars der ersten Jahrhunderthälfte nur so wimmelt, französische Sänger dieser Zeit (bis auf Thill, dessen Aufnahmen bei EMI ausgiebig dokumentiert sind) jedoch nur am Rande und in Einzelveröffentlichungen von Spezialistenlabels auftauchen. Selbst der französische ...
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Wenn Levine die Keule auspackt, steht das Orchester stramm. Wenn gegen Ende des Prologs und vor Eintritt in die erste Tür Béla Bartók kurze, knackige Crescendi fordert, wenn hier das bange Ende von «Blaubarts Burg» im Zeitraffer vorweggenommen wird, hält die Neuaufnahme mit den Münchner Philharmonikern treffliche Momente bereit.
Auch wenn bei der «siebten Tür» das...
Die Welt steht Kopf. Der Escorial eine leere Betonruine mit Fenstern wie hohle Augenlöcher, in der Ecke das gesichtslose Tizian-Porträt Kaiser Karls V. Einmal öffnet sich die Rückwand für eine unheimliche Flussaue, und auch nach der Pause ist die Bühne nur scheinbar im Lot. Wo in der Mitte bewegliche gläserne Hänger ein Zentrum markierten, ist nun ein Guckkasten...
Der Blick fällt in eine weite Halle, deren Tiefe sich ins Endlose zu erstrecken scheint. Feldbetten, eine Waschgelegenheit, Tische, Bänke und vor allem: zahllose gleichförmige Lampen, deren geometrisch ausgerichtete Reihen die großen Raumdimensionen noch unterstreichen. Allein diese Verhältnisse deuten schon auf die Monotonie des Alltags. Pierre Strosser verzichtet...
