... (Stief-)Mütter

Ewa Podles besitzt eine absolut unverwechselbare Stimme. Seitdem die Polin in den achtziger Jahren die Opernszene eroberte, gilt sie als Spezialistin für die Helden und Heroinen der Belcanto-Oper. Doch hat die 59-Jährige inzwischen ein neues Karrierekapitel aufgeschlagen und schlüpft in die großen Mutterrollen: An Londons Covent Garden singt sie die Madame de la Haltière in Massenets «Cendrillon». Premiere der Inszenierung von Laurent Pelly ist am 5. Juli

Opernwelt - Logo

Frau Podles, noch vor wenigen Jahren glänzten Sie in den großen Rossini-Rollen, jetzt erlebt man Sie als Tschaikowsky-Gräfin und Klytämnestra. Ist das der Beginn einer Alterskarriere?
Ich bin mir sehr bewusst, dass ich nicht mehr das sexy girl darstellen kann, das man für Rosina, Isabella und Carmen braucht, und ebenso wenig die schmucken jungen Männer wie Tancredi, Orfeo und Giulio Cesare. Es war einfach an der Zeit, meine Rollenliste zu revidieren. Das bedeutet auch, dass ich jetzt nicht mehr Cendrillon bin, sondern ihre böse Stiefmutter.

Oder dass ich statt des Cesare jetzt die Cornelia singe.

Zu Strauss ist es von Rossini allerdings ein besonders weiter Weg.
Ich habe meine erste Klytämnestra 2007 an der Canadian Opera gesungen, an der Seite von Susan Bullock. Ich muss gestehen, dass ich vor Strauss’ immens komplizierter Partitur etwas Angst hatte. Das hat sich dann aber ins Gegenteil verkehrt: Inzwischen bin ich völlig begeistert von der Art, wie er Hofmannsthals Worte in Klang umsetzt.

Führt das Singen von Rollen wie Klytämnestra oder der «Pique Dame»-Gräfin dazu, dass man mehr über das eigene Altern nachdenkt?
Das läuft getrennt. Es ist für mich schwer vorstellbar, als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Apropos..., Seite 71
von Jörg Königsdorf)

Weitere Beiträge
Facebook in Güllen

Nach langem Bitten und einer eigens für ihn angesetzten Vorstellung der Wiener Staatsoper sagte der Meister endlich zu. Friedrich Dürrenmatt hatte sich zunächst dagegen gewehrt, dass sein «Besuch der alten Dame» auf die Opernbühne kommt. Erstens konnte er Oper nicht leiden. Und zweitens: Wer gibt schon sein Erfolgsstück frei? Doch Gottfried von Einem hatte...

Editorial der Ausgabe Juli 2011

Überraschend kam die Nachricht nicht: In Prag werden Nationaltheater und Staatsoper zwangsvereint. Ein Desaster? Das hängt davon ab, was man jetzt aus der ­Situation macht. Seit Längerem war klar, dass es nicht weitergehen konnte wie bisher. In kurzen Abständen wechselten die Intendanten der Staatsoper; im Haus saßen zu 80 Prozent Touristen, mit der Auslastung...

Zwischen den Welten

Seit einigen Jahren wird der lothringische Komponist Théodor Gouvy (1819-1898) wiederentdeckt: Zeit seines Lebens hoch respektiert, doch immer ein Unzeitgemäßer, und nach seinem Tod sehr bald vergessen. Er war Anti-Wagnerianer zu einer Zeit, als auch in Frankreich der Wagnerismus dominierte, und hielt an der klassischen Symphonie noch fest, als er einzig mit...