Spiel mir das Lied vom Tod

Alban Bergs «Lulu» erklingt in Kopenhagen erstmals in der von Eberhard Kloke vervollständigten Fassung

Opernwelt - Logo

Bis einschließlich Takt 268 ist die Sache in trockenen Tüchern. So weit, sprich, bis ins zweite Ensemble hinein, reicht die komplett bezeichnete Partitur des dritten Akts von Bergs «Lulu». Hinzu kommen jene umfassend instrumentierten Passagen, die wir aus den «Symphonischen Stücken» kennen. Dann aber beginnen die Sorgen.

Zwar erstellte der Komponist noch ein 1300 Takte langes Particell, garniert mit Hinweisen auf Instrumentation, Tempo, Dynamik und vokale Modifikationen, doch niemand vermag bis zum heutigen Tag zweifelsfrei zu sagen, wie dieser dritte Akt der Monstretragödie tatsächlich klingen würde, hätte Berg sein Werk noch selbst vollendet.

Verständlich, dass Friedrich Cerha einst Vorsicht walten ließ, nachdem er den dritten Akt akribisch arrangiert hatte. Anlässlich der Uraufführung dieser Fassung am 24. Februar 1979 im Palais Garnier zu Paris (in der legendären Produktion von Patrice Chéreau und Pierre Boulez) erklärte er, es handele sich dabei lediglich um die «Herstellung einer spielbaren Fassung». Begriffe wie «Vollendung», «Fertigstellung», «Ergänzung» oder «Komplettierung» umrissen nicht das, was zu leisten gewesen sei.

Wenn man so will, sieht sich Cerha nun bestätigt. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Apropos ... Verführung

Mrs. Matthews, obwohl Mozart im Zentrum Ihres Repertoires steht, sieht es ganz so aus, als sei Ihr Donna Anna-Debüt Ihre erste Begegnung mit dem «Don Giovanni» überhaupt.
Das stimmt nicht ganz. Die Elvira habe ich als Studentin schon in einer kleinen Produktion gesungen, und die Zerlina hatte ich schon für Covent Garden gelernt. Nur habe ich sie dann nicht gesungen,...

Gestaute Zeit

Sein großes Verdienst ist, dass er Wagner nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in
St. Petersburg hoffähig gemacht hat. Mit «Lohengrin», «Holländer», dem ganzen «Ring» und mit «Parsifal»: Valery Gergiev, der Unermüdliche, hat nach russischem Repertoire (klar!) und Ausflügen ins italienische Fach (etwa mit der in Petersburg uraufgeführten Originalfassung von Verdis...

Apokalypse im Kloster

Der Roman «Im Land der letzten Dinge», eine der frühen Publikationen des Kultautors Paul Auster, 1987 erschienen, ist eine klassische Dystopie – er steht in derselben spezifisch amerikanischen Erzähltradition, die zuletzt Cormac McCarthys Endzeitvision «Die Straße» hervorgebracht hat. Die «vier letzten Dinge» – im Christentum traditionellerweise Tod, Gericht,...