Spektakulär unspektakulär
Jenes zweigestrichene C, das Rodolfo im ersten Bild der «Bohème» gleich zweimal treffen muss, machte Luciano Pavarotti bekanntlich zum Angelpunkt der Partie, wenn nicht des ganzen Stücks. Gingen die Spitzentöne der Arie «Che gelida manina» und des Finalduetts «O soave fanciulla» daneben, sei der Rest im Grunde schon vergebliche Liebesmüh. Allein, hier irrt Big P., es hängt nicht alles von den höchsten Höhen ab.
Der Koreaner Yikun Chung, der sich in der Rolle des Mimì-Verehrers als neuer Haustenor des Theaters Aachen vorstellte, ist dafür ein überzeugendes Beispiel: Chungs Stimme prägt eine dunkle, ins Baritonale spielende Färbung, seine Gestaltung verrät eine die szenische Präsenz flexibel einbegreifende emotionale Intelligenz. Das Bühnenschicksal des armen Poeten entscheidet sich bei dem Sechsunddreißigjährigen weniger in der Stratosphäre amouröser Lippenbekenntnisse als in den mentalen Höhlen eines gefühlskranken Vaganten, der den physischen Verfall der Geliebten nicht zuletzt als Spiegel der eigenen Malaise begreift. Ein schlüssiges, ein starkes Debüt.
Überhaupt profitiert die Aachener «Bohème» von einem erfreulich konsistenten, rollenadäquat besetzten Ensemble. Irina Popovas ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Von den Symmetrien der Hofarchitektur des 18. Jahrhunderts haben sich der Regisseur Jean Jourdheuil und der Bühnenbildner Mark Lammert für ihre «Così»-Inszenierung in Genf anregen lassen. Im Halbrund mit acht Drehtüren, zwischen denen sich Wände öffnen und schließen, die Menschen voneinander abgrenzen oder neu zusammenführen, spielt ihr psychologisches Experiment....
Es sah nach einer Notlösung aus. Denn eigentlich sollte und wollte sich Christof Schlingensief, später dann Sebastian Hartmann an der Berliner Staatsoper mit Busonis «Doktor Faust» produktiv herumschlagen. Nachdem beide aus unterschiedlichen Gründen ausgeschieden waren, recycelte Peter Mussbach seine 1999 für Salzburg entstandene, später auch an der Met gezeigte...
Eine Neuinszenierung der «Zauberflöte», das bedeutet den Ernst- und Problemfall einer Opernaufführung schlechthin. Sogar für Hans Neuenfels. In Berlin hatte der Altmeister des Opernskandals immer Glück. Nach einschlägigen Erfahrungen in Frankfurt fand er mit Verdis «Forza del destino» 1982 an der Deutschen Oper den Schlüssel für seine Zukunft: Unter all seinen...
