Späte Premiere
Ein «Traktat über die heilende Kraft homosexueller Liebe» nannte der Librettist E. M. Foster Benjamin Brittens Oper «Billy Budd». Doch spielte dies in der Rezeptionsgeschichte des Werks kaum eine Rolle. Zum Thema Männerliebe verhielten sich die Engländer, zumal die Vertreter der Mittel- und Oberschicht, lange ambivalent. Gern zitierte man in diesem Zusammenhang eine gewisse Mrs.
Campbell, die den Skandal um Oscar Wilde und seinen Liebhaber «Bosie» Lord Douglas folgendermaßen kommentierte: «What people do with their wobbly parts is supremely uninteresting as long as they don’t frighten the horses». Da nicht bekannt ist, dass der Komponist Benjamin Britten im Privatleben je Pferde erschreckt hätte, war auch seine Veranlagung kaum Gegenstand öffentlichen Interesses. Ob und wieweit diese in «Billy Budd» eingeflossen sind (Britten hat sich darin bekanntlich auch seine Erfahrungen als Internatszögling von der Seele geschrieben), interessierte kaum jemanden.
Traf dies auch auf Glyndebourne zu? Dass das Stück erst jetzt, ein halbes Jahrhundert nach der Uraufführung (1951), auf die Bühne des Hauses in den Sussex Downs kam, scheint merkwürdig. Erwarb sich das von Opernliebhaber John Christie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Michail Bulgakows Erzählung «Hundeherz» handelt von einem Straßenköter, dem singuläres Glück widerfährt: Er glaubt, das Paradies auf Erden zu erlangen, als ihn Professor Philip Philipowitsch aufsammelt, in seiner Moskauer Wohnung beherbergt und verköstigt. Was dann geschieht, ist nicht mehr geheuer: Der Hund wird für einen medizinischen Versuch missbraucht, die...
Viel zu tun bleibt für Macduff nicht mehr. Eingesunken in seinen Rollstuhl, zitternd und am lebendigen Leib von Geschwüren zerfressen, ist sein Feind Macbeth schon am Ende, bevor der Sieger zum finalen Schlag ausholt. Nicht die Rebellen sind es, die den Usurpator in Krzysztof Warlikowskis Inszenierung an der Brüsseler Monnaie-Oper für seine Gewalttaten bestrafen –...
Multikulti und Barock – geht das zusammen? Ja, sagt der argentinische Musiker und Dirigent Gabriel Garrido in einem Interview für das Festival «Theater der Welt», das in diesem Jahr in Mülheim und Essen Station machte. «Die Welt des Barock öffnet sich anderen Welten, reist um den Planeten, entdeckt das Universum. ... Das Expressive des Barock ist ein Gegengift...
