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«Seichte Muse und neue Heimat» – unter diesem Motto bilanziert Ulrich Schreiber die britische Oper des 20. Jahrhunderts im unlängst erschienenen vierten Band seiner monumentalen Geschichte des Musiktheaters. In der Tat: Die Suche nach einer seit den Tagen Blows und Purcells verloren geglaubten nationalen musikalischen Identität sowie ein auch Sentimentalitäten nicht scheuendes Beharren auf der Tragfähigkeit des Prinzips Tonalität markieren jenen Sonderweg, auf dem sich nach 1900 – Ausnahmen bestätigen die Regel – die Mehrheit der angelsächsischen Tonsetzerschaft bewegte.
Zumal vor dem durch den NS-Staat forcierten Zivilisationsbruch blühte auf der Insel manche laue Blume einer edlen, nicht selten überzüchteten Neoromantik. Von Frank Delius bis Ralph Vaughan Williams, von Gustav Holst bis zu William Walton – es war vornehmlich ein an klassischen Werten orientiertes Schönklangideal, mit dem man daheim wie drüben «in Europa» zu punkten hoffte.
In die Reihe eines kompositorischen Konservatismus, der lieber in feinem Tweed auftritt als in revoluzzerhafter Stürmer- und Drängerpose, gehört nicht zuletzt Lennox Berkeley (1903-1989), ein Zeitgenosse Benjamin Brittens. Doch während Britten ...
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Dass Bizets Carmen uns nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf der Kinoleinwand begegnet, ist wahrlich kein neues Phänomen. Schon 1954 hatte Otto Preminger den Stoff für einen abendfüllenden Spielfilm mit Dorothy Dandridge in der Titelrolle und dem jungen Harry Belafonte als Don José adaptiert. Von den Armenvierteln Sevillas um 1820 verlegte Preminger die...
Seit 1997 liegen die musikalischen Geschicke des Bologneser Theaters in mittlerweile weltweit gerühmten Dirigentenhänden. Daniele Gatti, Musikdirektor des Hauses, in Mailand geboren und dort am «Giuseppe Verdi»-Konservatorium in Komposition, Orchesterleitung, Klavier und Violine ausgebildet, zählt heute zu den meistgefragten Taktstockvirtuosen der mittleren...
Er habe erstmals versucht, sich von Wagner abzuwenden, bekannte Walter Braunfels 1909 zu seiner «Prinzessin Brambilla». Die Form der Commedia dell’arte sollte alles Pathos, alle rauschhaft bezwingende Macht der Wagner’schen Musik bannen – durch ironische Brechungen und groteske Zuspitzungen. Man mag darüber streiten, ob das, mit Blick auf die «Meistersinger»,...
