So original wie möglich
Trotz vier großer Bühnen war die mediale Außenwirkung der Pariser Opernhäuser bislang bescheiden. Die Produktionen von Bastille-Oper, Châtelet und Opéra Comique wurden nur sporadisch auf DVD festgehalten. Das 2009 gegründete Label fRA Musica scheint das jetzt ändern zu wollen. Nach einem erfolgreichen Start vor einigen Monaten mit Purcells «Dido» folgten mit der neuen «Carmen» der Opéra Comique und Gounods «Mireille» aus dem Palais Garnier gleich zwei hoch interessante Mitschnitte.
Für die kommenden Monate sind, wiederum aus der Opéra Comique, ein «Pelléas» und Chabriers inzwischen auch in Deutschland wiederentdeckter «L’Étoile» angekündigt.
Dass die Opéra Comique so prominent vertreten ist, hat durchaus seine Berechtigung: Unter Jerome Deschamps hat sich das lange vergessene Haus zur ersten Pflegestätte des französischen Opernrepertoires entwickelt und in den vergangenen Jahren etliche nahezu vergessene Werke von Lully bis Messager wiederbelebt. Ein wesentlicher Marktvorteil für die Comique ist dabei, dass sie ähnlich wie das Châtelet kein eigenes Orchester besitzt und deshalb auf unterschiedliche Ensembles zurückgreifen kann: Bei der «Carmen» beispielsweise sitzen die Musiker von ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Medien/DVDs, Seite 20
von Jörg Königsdorf
Das Bonner Opernhaus hat Franz Schrekers «Irrelohe» ausgegraben und damit ein Schlüsselwerk der Moderne neu entdeckt. In der Nazizeit wurden die Opern des Halbjuden Schreker als «entartet» gebrandmarkt, und so verschwand auch das Stück mit dem schauderhaft schönen Titel in der Versenkung. Von der Renaissance der Schreker-Opern seit den achtziger Jahren profitierte...
Im Genfer Programmheft sieht man die Sängerinnen der Elektra wie auf einer Perlenschnur aufgereiht – wenn die zarte Metapher für die Schwergewichte vergangener Tage überhaupt zulässig ist. Annie Krull, die den monströsen Part für die Dresdner Uraufführung in wenigen Wochen lernen musste, mit wirren Haaren; Zdenka Faßbender, die erste Münchner Elektra, mit bösem...
Der Leipziger Gluck-Zyklus geht weiter. Nach «Alkestis» (siehe OW 6/2010) hat Peter Konwitschny als zweites Stück seiner Auseinandersetzung mit dem Opernreformator die 1774 für Paris entstandene «Iphigenie in Aulis» inszeniert. Wieder geht es ihm – gut ideologiekritisch – darum, das Frauenopfer als Metapher und Basis der modernen Zivilisation freizulegen. Die...
