Sex ist nicht alles
Der Titelheld der Geschichte ist ein Verführer. Ein Sexprotz mit einem Eroberungsverzeichnis, das stolze 2065 Eintragungen aufweist. Was also liegt näher, mag sich Regisseur Georges Delnon, in Richtung Basel scheidender Intendant des Mainzer Staatstheaters, gefragt haben, als jede Menge Sex auf der Bühne?
So lag gleich am Anfang Donna Anna nur spärlich verhüllt auf der Bühne, schlief Donna Elviras Zofe nackt im Zimmer ihrer Herrin. Bei dieser wiederum versuchte Leporello schon während der Registerarie sein Glück.
Da zugleich auch Masetto und Zerlina hinter der Szene mit Kopulation beschäftigt waren, gab es lautstarke synchrone Lustschreie zu vernehmen. Don Giovanni schließlich vernaschte noch die unglückliche Donna Elvira, während die Statue des Komturs – in Mainz eine kopflose Schaufensterpuppe – schon vor seiner Tür stand.
Das andere Prinzip von Delnons Regie bildeten aparte Bildfantasien und ständige Bewegung. Da war alles stets mobil, transportierten Laufbahnen die Akteure über die Bühne. Immer wieder verdeckte eine fahrbare Zwischenwand die Darsteller, um den Blick auf sie dann gleich wieder freizugeben; Schaufenster-ähnliche, fahrbare Kästen garantierten variable ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Fantastischer, silbrig schimmernder Zauberwald, der sich wie von Geisterhand bewegt (und doch nur aus vielfach verzweigten Männerkörpern besteht) oder eine grüne Schlafzimmer-Traumlandschaft vor riesiger Mondsichel? Welches Ambiente wird Shakespeares berühmtester Komödie in der kongenialen Vertonung von Benjamin Britten aus dem Jahr 1960 besser gerecht?
Peter Halls...
So etwas kann sich nur ein Sammlerhirn ausdenken – und alle, die ähnlich ticken, dürfen sich nun bei ihm bedanken. Andreas Ommer besitzt ein solches Hirn. Er hat mehr als fünfundzwanzig Jahre lang nach Opernaufnahmen gefahndet, um sie karteikartentauglich zu machen. Heute nutzt man für solche Projekte bekanntlich andere Medien, daher liegen Ommers...
An einer streng traditionellen «Don Giovanni»-Inszenierung, die allerdings mit höchster Präzision und psychologischer Durchdringung erarbeitet werden muss, könnte man erkennen, wie eine scheinbar fest geordnete Gesellschaft durch Außerkraftsetzen von Ordnung und Moral zerstört wird. Das Ancien Régime war so eine Sozietät, die Mozart im Blick hatte, als er seinen...
