Selten stimmig
Beeindruckend, wie sich das stilistische Bewusstsein für Mozarts Jugendopern entwickelt hat: Noch vor dreißig Jahren musste man sich mit den lauwarmen Aufnahmen Leopold Hagers begnügen, heutzutage wird das Gros der Interpreten den Werken zwischen Spätbarock und Frühklassik gerecht – unbestritten ein Verdienst der historischen Aufführungspraxis. Nicht von ungefähr ist die Neuproduktion von «Mitridate» am Théâtre des Champs-Elysées ein echter Hörgenuss.
Mit der von directeur général Michel Franck sorgsam ausgewählten Besetzung stellt sich ein seltenes Gefühl der Stimmigkeit ein: nicht, weil jedes Detail perfekt wäre. Sondern weil sich alles zu einem fesselnden Ganzen fügt. So wirkt Michael Spyres’ Stimme in der Höhe ein wenig gepresst. Doch er entspricht nicht nur in Klangfarbe und Tonproduktion genau dem in der eigentlich fast unsingbaren Titelpartie geforderten «Baritenor», er bringt auch die ideale Mischung von Heldischem und Virtuosität mit.
In der besuchten Vorstellung klingt Patricia Petibon als Aspasia hinsichtlich des Stimmvolumens etwas unterdimensioniert, zumindest im ersten Teil der Aufführung. Aber ihren stets feinfühligen Gesang zeichnen Geschmeidigkeit und Wärme aus, ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Christian Merlin
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