Sehnsucht nach Stille
Den Titel ihres kürzlich erschienenen Memoirenbandes darf man durchaus als Lebensmotto verstehen: «Leicht muss man sein». Der Versuchung, sich das (ihr von Karl Böhm, Bernstein, Karajan und anderen angetragene) hochdramatische Fach zu erobern, hat sie widerstanden. Als Elvira, Dorabella, Carmen, Adalgisa, Octavian oder Marschallin aber – um nur einige ihrer Glanzpartien zu nennen – verzauberte Christa Ludwig das Publikum mit einer noblen, sinnlichen, durch Krisen gereiften Mezzostimme, die scheinbar mühelos feinste Ausdrucksnuancen bewältigte.
Vor einem Vierteljahrhundert hat sie sich von der Bühne zurückgezogen. Was bleibt? Ihre Kunst auf Tonträger – und ein unverstelltes Strahlen von innen
Frau Ludwig, Ihr Abschied von der Bühne liegt lange zurück, fehlt Ihnen nichts?
Ich habe beherzigt, was meine Mutter gesagt hat: «Bedenke, dein Beruf ist nur Theater.» Ich kann auch ohne Gesang, Oper und Theater leben. Es war sehr schön, dass ein Kritiker damals geschrieben hat: «Warum hört sie auf?» Das ist doch viel besser, als wenn es geheißen hätte: «Was, die alte Kuh singt immer noch?»
Ihr Abschiedskonzert im Wiener Musikverein kann man auf YouTube finden. Sogar die Zugabe ist dabei, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2018
Rubrik: Christa Ludwig, Seite 78
von Regine Müller
Ohne Spiel wäre die Menschwerdung des Menschen undenkbar, glaubte Friedrich Schiller. Nur als homo ludens sei dieser imstande, Sinn zu stiften. Nicht als auktorialer Erzähler, der über das Gute, Wahre und Schöne verfügt, sondern als Suchender in offenem Terrain. Der spielende Mensch handelt, spricht, tanzt, singt gleichsam auf Probe, um sich zu erkennen und die...
Wer hätte das gedacht? Dass einer, um den es zeitweilig schon etwas still geworden war, der mit dem Theaterbetrieb, mit der Theaterkunst haderte, wieder zu den stärksten, markantesten Stimmen im Konzert der zeitgenössischen Opernregie zählen würde? Im Januar ist Peter Konwitschny 73 Jahre alt geworden, doch von Erschöpfung ist nichts zu spüren. Im Gegenteil – mit...
In der vergangenen Spielzeit machten diese neuen Stücke den stärksten Eindruck: Heinz Holligers «Lunea» nach Nikolaus Lenau in Zürich (die «Uraufführung des Jahres»), Aribert Reimanns «L’Invisible» nach Maurice Maeterlinck an der Deutschen Oper Berlin, Toshio Hosokawas «Erdbeben. Träume» nach Heinrich von Kleist in Stuttgart und Arnulf Herrmanns «Der Mieter» nach...
