Seelentausch

Gelsenkirchen, Moser: Avatar

Opernwelt - Logo

Finstere Romantik: skurril, fantastisch, unerklärlich. Roland Mosers Oper «Avatar» – das Libretto stammt vom Komponisten – basiert auf einer 1856 erstmals veröffentlichten Novelle von Théophile Gautier. Ein Text, wie ihn sich auch E. T. A. Hoffmann hätte ausdenken können. Ein merkwürdiger Doktor, der zu grotesken wissenschaftlichen Versuchen neigt und dadurch den Seelentausch zweier rivalisierender Liebhaber herbeiführt, sichert sich am Ende selbst dank seines Experiments ein Weiterleben. In Koproduktion mit dem Theater St. Gallen, wo «Avatar» am 3.

Mai 2003 uraufgeführt worden war (vgl. OW 7/2003), kam das Werk nun nach Gelsenkirchen – allerdings in leicht gekürzter Form, was den Komponisten dazu bewogen haben soll, der deutschen Erstaufführung fernzubleiben. Da das Werk aber ohne­hin einige Längen hat – etwa die zahlreichen, aber wenig aussagekräftigen pantomimischen Einlagen –, fielen diese Striche nicht sonderlich ins Gewicht.
Zwei Dirigenten teilten sich die musikalische Leitung: Samuel Bächli stand dem 31-köpfigen und im Rücken des Publikums positionierten Orchester vor, Bernhard Stengel dirigierte vor der Bühne das Sänger­ensemble. Zu einem Mangel an Kongruenz führte diese ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die neue Mitte. Eine schöne Werbeformel, mit der die Kommune Nordhausen hofft, ihr graues Image ein wenig aufzuhellen. Geografisch trifft sie fraglos zu: Während der vierzig Teilungsjahre an die Peripherie der verblichenen DDR gedrängt, liegt die Stadt nun wieder im Herzen Deutschlands. Wirtschaftlich und demografisch indes kann von einem Platz in solider...

Die Avantgarde lebt

«Erst auf Brünnhildes inbrünstiges Flehen mildert Wotan seinen Spruch. Das Wasser teilt sich und gibt einen Durchgang frei.» Das rote LED-Laufband auf dem Portikus des Aachener Stadttheaters lockt Passanten an. Nach Zufalls­prinzip hat Volker Straebel Sätze aus Opern-Inhaltsangaben ausgewählt und nebeneinander gestellt. Das Theater der Kaiserstadt wagt sich als...

Gefährdete Gattung

Im Fall der traditionellen chinesischen Oper (xiqu) lässt sich von einem Gesamtkunstwerk der performativen Künste sprechen. Schamanistische Prak­tiken, Tänze, Jahrtausende alte Ringkämpfe und Hochstemmwettbewerbe, Schwertschlucker und Zauberer aus dem Römischen Reich, die über die Seidenstraße ins «Reich der Mitte» gereist waren, oder Bambusstamm-Equilibristen aus...