Seelen-Bergwerk
Das Orchester ist Teil einer spärlichen Handlung. Was heißt Handlung? Es ist ein musiko-literarischer Abend, bei dem Wort und Ton ineinandergreifen, sich behutsam ergänzen, ohne je wirklich zusammenzugehören oder, umgekehrt, sich bewusst in die Quere zu kommen.
Der Regisseur und Schauspieler Tobias Moretti hat für die RuhrTriennale ein Programm entworfen, dessen Titel an Johann Peter Hebel angelehnt ist: «Der Seelen wunderliches Bergwerk».
Moretti hat Texte von Trakl, Heine, Grillparzer, Marti, Enzensberger, Houllebecq, Rilke und eben Hebel zusammengestellt und diese musikalisch mit Werken von Mozart, Kraus, Haydn, Britten, Pärt u. a. gemixt. Als großartig entpuppte sich das Kammerorchester moderntimes, das sich mit Verve, Sorgfalt, Raffinesse und Kühnheit ins Zeug legte. Nichts entging seiner Aufmerksamkeit, kein Moment Langeweile, nie Mittelmaß. Moretti, der fortwährend von einem Akkordeon tragenden Kompagnon begleitet wurde, las die Texte eindringlich, weil unaufdringlich, mit geschickten Ritardandi, kleinen Pausen, subtilen emphatischen Höhepunkten.
Das szenische Geschehen als durchgehende Handlung zu bezeichnen, wäre zu viel gesagt. Das Orchester macht beispielsweise an ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Köln steht Kopf, und das bereits vor Ausbruch der Fünften Jahreszeit. Die «Öffentliche Meinung» ist in Aufruhr. Die Lokalpresse machte mobil, nachdem es in der Premiere durch Zuschauerrufe zum Eklat gekommen war. Dabei schien alles so herrlich unverdächtig. Bernd Weikl sollte Offenbachs «Orpheus in der Unterwelt» inszenieren, Kabarettist Konrad Beikircher neue...
I. «Das klingt jetzt wie im Dom-Konzert. Man hört Sie gut. Sie können viel weniger geben.» Musikalische Feinjustierung für die Rheintöchter. In neuer akustischer Umgebung müssen sie das Schwimmen erst wieder lernen. Der Bademeister ist derselbe wie zu Hause: Philippe Auguin, Nürnbergs langjähriger Generalmusikdirektor. Aber sonst läuft alles anders bei dieser...
Judith Szédelyi leitet in der ungarischen Gemeinde Fertöd die Verwaltung des Schlosses Esterháza. Im April 2005 hat der junge Dirigent Marton Rácz die künstlerische Leitung der Konzerte auf Schloss Esterháza übernommen. Seit 1998 ist er Musikchef und Dirigent des Niederländisch Ungarischen Festivals für Alte Musik in Budapest.
In Esterháza hat Joseph Haydn vor mehr...
