Schweißtreibend

Hindemith: Neues vom Tage
Schwerin | Staatstheater

Opernwelt - Logo

Und dann kommt er. Endlich. Unvermeidlich. Definitiv. Der lang erwartete, unvergessliche Augenblick der Leidenschaft. Mitten im Museum, gerahmt von lauter marmornen Venus-Büsten und kühl-mondänen Sitzschalen (Bühne: Wolfgang Kurima Rauschning). Wohlige Weltsekunde, in der die aparte Gesellschaftsdame und ihr modebewusster Galan einander die Liebe gestehen in höchsten Tönen. «Ekstase! Wonne! Dein!» Ach, wie schön wäre es, könnte man nur daran glauben.

Kann man aber nicht. Das Stück verlangt nach anderer Anschauung.

Das Stück, das ist Paul Hindemiths Zeitoper «Neues vom Tage», im wildwüchsig-wummernden Berlin der sehr späten 1920er-Jahre seiner Feder entflossen, als knallige Satire gedacht und von den Nazis späterhin als «obszön» und «kitschig gemein» gebrandmarkt. Zu viel der «Ehre», möchte man meinen angesichts des doch sehr hüftsteifen und biederen Librettos von Marcellus Schiffer und der aus heutiger Sicht etwas einfältigen, eindimensionalen Geschichte: Ein Ehepaar, bis aufs Nervenblut zerstritten, sucht die Scheidung, braucht aber einen zureichenden Grund, findet ihn, doch dann entwickeln die Dinge eine seltsame Eigendynamik ...

Interessant ist die Musik, eine Art Mosaik aus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Entwurzelt

Die stärkste Stimme kommt ohne Worte aus. Ein oszillierendes Irgendetwas ist aus dieser Partitur zu vernehmen, mit stufenlosen Wechseln der Aggregatzustände, irisierend, so unfassbar wie verlockend. Vor allem aber: gekonnt instrumentiert. In der musikalischen Ausstattung des Ozeans, dem Glück und Verheerung bringenden Protagonisten, fand Detlev Glanert seine...

Tragödientauglich

Vorhang auf. Gemüseschnippeln in der Küche eines asiatischen Restaurants, passgenau dazu perkussive Klänge aus dem Orchestergraben wie zu einer Kochshow: Da lacht das Koblenzer Publikum. Wer jedoch 2014 die Frankfurter Uraufführung von Peter Eötvös’ «Der goldene Drache» auf das gleichnamige Schauspiel von Roland Schimmelpfennig gesehen hat, weiß: Dieses Lachen ist...

Lust am Untergang

Der Schlussgag hätte besser nicht klappen können. Fröhlicher Applaus im erschreckend spärlich besuchten Theater Basel. Karl-Heinz Brandt, eben noch ein engagierter Auktionator, stolpert beim Schritt zurück, strauchelt und stürzt. In diesen Augenblicken passiert etwas Faszinierendes: Man kann spüren, wie das gewissermaßen kollektive «Hoppla» einer unschönen Angst...