Schwarze Revue
Verdis «Aida» hatte schon immer das Zeug, Skandal und Sensation zu machen. An dem Hybrid aus kriegstrommelnden Massenszenen und intimem Kammerspiel hat sich manches Regieteam die Zähne ausgebissen. Auch Altmeister Dietrich Hilsdorf, von dem es heißt, er sei brav geworden, hat bereits vor 25 Jahren in Essen eine «Aida» abgeliefert, die zwar Kultstatus erreichte und bis vor Kurzem gespielt wurde, mit der er selbst aber nie zufrieden war. Nun hat Hilsdorf vom Bonner Premierenpublikum für seine ungleich schärfere neue «Aida» einen orkanartigen Beifallssturm ernten können.
Und das, obwohl die Bonner nicht gerade für ein extrovertiertes Temperament berühmt sind. Durch aktuelle politische Begleitumstände zeigen sie sich wohl offener als sonst für eine kritische Lesart. Ein Glücksfall, könnte man ketzerisch daraus schließen, dass die Bonner Oper gerade dann am besten ist, wenn sie am meisten unter Druck steht?
Das Timing dieser Premiere war perfekt, wenn auch so nicht geplant: Wieder einmal hat der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch dem Opernhaus mit Sparmaßnahmen und der unsinnigen Fusion mit der Kölner Oper gedroht, woraufhin Intendant Bernhard Helmich, dessen Neuausrichtung des ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Regine Müller
In den Künsten, zumal den darstellenden, gibt es Menschen, die man mehr oder weniger sieht. Primär den Stars ist Öffentlichkeit vergönnt. Doch die im Dunkeln – Autoren, Komponisten, Regisseure, Choreografen, Ausstatter, Dramaturgen –, die sieht man nicht. Dabei sind Interpreten auf Institutionen angewiesen, Kulturapparate, die nicht nur technisch funktionieren,...
Kennen Sie das Gefühl? Wenn man viel zu spät und stocknüchtern auf eine Party kommt, auf der alle schon völlig blau sind? Befremden, weil sich alle so unsäglich benehmen. Scham, denn wer nicht passt, sind Sie, nicht die anderen. Ein bisschen Neid, weil es letztlich doch schöner wäre mitzulachen, als dumm danebenzustehen. Falls ja, können Sie sich das Verhältnis...
Drei Generationen, drei Stimmfächer, drei mögliche Arten, eine Sängerbiografie zu schreiben. Arleen Auger wird zum 20. Todestag gewürdigt, Jochen Kowalski zum 60. Geburtstag – und die 37-jährige Elina Garanca, weil sie ein MedienDarling ist. Da gebührt natürlich der großen amerikanischen Interpretin der Vorrang: Ein einziges Mal nur hat Ralph Zedler Arleen Auger...
