Schwanengesang, von wegen!
Knapp 60 Seiten umfasst das «Verzeichnüß aller meiner Werke», das Wolfgang Amadé Mozart lückenlos geführt hat. Auf dem Etikett steht: «Vom Monath Febrario 1784 bis Monath … 1». Alles ist offen. Nur die «1» am Zeilenende steht für das Jahrtausend, in dem das Verzeichnis zu Ende gehen würde, dem Jahrhundert hingegen griff Mozart nicht vor. Der letzte Eintrag stammt vom 15. November 1791. Es ist die kleine Freimaurerkantate, die später die Köchelverzeichnisnummer 623 erhielt. 28 Seiten sind noch frei.
Nichts deutet darauf hin, dass Mozart seinen Tod erwartete und eine Strategie des Abschieds verfolgte.
Christoph Wolff glaubt in seinem neuen Buch «Vor der Pforte meines Glückes – Mozart im Dienst des Kaisers (1788–1791)», allen widersprechen zu müssen, die Mozarts letzte Jahre im Schatten seines frühen Todes sehen und die Werke dieser Zeit von dorther deuten, wenn sie Herbst, Melancholie und Todesahnung aus ihnen heraushören wollen. Wolff streitet gar nicht ab, dass Mozart in wirtschaftlichen wie seelischen Schwierigkeiten steckte. Doch das Jahr 1788 zeigt mit dem Umzug in eine kostspielige Gartenwohnung nicht nur ein äußeres Zeichen der Zuversicht. Es ist mit dreißig eingetragenen ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Jan Brachmann
Bedürfen Johann Sebastian Bachs Passionsmusiken szenischer Vergegenwärtigung? Ist ihre Botschaft, ihre Tiefe für die meisten Zuhörer heute nur noch nachzuvollziehen, wenn die Leidensgeschichte Jesu bebildert wird? Ohne visuelle Reize, ohne Aktion, so scheint es, sind die großen Oratorien des fünften Evangelisten kaum mehr an ein Publikum zu vermitteln, das den...
Wie «Les Troyens» gehört auch «Benvenuto Cellini» zu den Schmerzenskindern der Operngeschichte. Während die «Trojaner» inzwischen zu Recht als eines der großen Musiktheaterwerke des 19. Jahrhunderts gelten, hat es Berlioz’ 1838 uraufgeführte erste Oper «Benvenuto Cellini» weiterhin schwer. Warum, machte die Aufführung in Münster wider Willen deutlich. Libretto und...
Er sei nicht interessiert daran, Märchen zu erzählen, hatte Carlos Wagner vorab gesagt. Und schon beim Auftritt des blütenweißen Strahleritters Lohengrin – im Gegenlicht, gezogen von einem in Ketten gelegten Gottfried – zeigt sich, was er mit «Märchen» meint: Verblendung, die nicht als solche erkannt wird. Carlos Wagner versucht der Geschichte vom Heilsbringer am...
