Schönster Verzweiflungsgesang

Janáceks Jenufa in München

Opernwelt - Logo

Klaus Bachler lud, wen wundert’s, zum Auftakt seiner Münchner Intendanz gleich drei Sprechtheater-Regisseure ein, sich an der Oper zu versuchen. Einmal ging das gut (beim «Wozzeck» von Andreas Kriegenburg), einmal gründlich daneben (Christian Stückls knallbunte Sicht auf Pfitzners «Palestrina»). Jetzt durfte die Schweizerin Barbara Frey Janáceks «Jenufa» in Szene setzen. Sie ist eine behutsame Deuterin, der es nicht auf vordergründige Provokationen ankommt. Ihre Schauspielarbeiten leben in der Regel von klaren Bildern und präzisen Strukturen.

Was bei Horváth oder Tschechow gut funktioniert, eignet sich jedoch nicht notwendigerweise für Janácek.
«Jenufa» führt in ein kleinbürgerlich-erzkatholisches Milieu im Mähren des 19. Jahrhunderts. Die Männer sind Machos und sehen ihren Lebenssinn im Alkohol, die Frauen hüten Herd und Kinder. Jenufa trifft ein besonders hartes Schicksal; sie steht zwischen den Halbbrüdern Steva und Laca und hat ein uneheliches Kind. Ihre Stiefmutter tötet dieses Mal der Schande und erzählt der fiebernden Jenufa von einem angeblichen Unglück. Am Ende kommt alles ans Licht, Jenufa verliert ihre Ersatzmutter und hofft – zaghaft – auf eine Zukunft mit Laca, der zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2009
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Jörn Florian Fuchs

Vergriffen
Weitere Beiträge
Reine Menschlichkeit

Vom Mantuaner Gonzaga-Hof anno 1607 in die Gegenwart (Schlussbild) hatten William Christie und Pier Luigi Pizzi das Publikum vor einem Jahr am Teatro Real mit «Orfeo» geführt (OW 7/2008). Schauplatz des zweiten Teils ihrer Monteverdi-Trilogie (in Kooperation mit dem Teatro La Fenice, Venedig) ist jetzt eine griechische Insel der Gegenwart. Sand, der den...

Experimentelle Wertarbeit

Nirgendwo in Deutschland ist die Infrastruktur für zeitgenössisches Musiktheater so dicht wie in Nordrhein-Westfalen. Neben den zahlreichen Theatern im Land sorgen gleich zwei öffentliche Fonds für Rückenwind (siehe Interview). Und was auf dem Papier vielleicht ein wenig nach bürokratischer Gremienwirtschaft aussieht, erweist sich bei näherer Betrachtung als...

Gefrorene Musik

Die meisten amerikanischen Innenstädte umgibt ein Ring aus undefinierbaren Lagerhäusern, Autobahnauffahrten und heruntergewirtschafteten Gebäuden. Das ist auch in Kansas City so. Genau in diesem Milieu entsteht derzeit jedoch eines der aufregendsten und ambitioniertesten neuen Opernhäuser der Vereinigten Staaten.
Das neue «Metropolitan Kansas City Performing Arts...