Schöne Fremde
Bereits zu ihrer Entstehungszeit wurde Vincenzo Bellinis vierte Oper «La straniera» kontrovers aufgenommen: Während das Drama um eine untergetauchte Franzosenkönigin («Die Fremde») den Geschmack des Publikums traf, das nach bizarren mittelalterlichen Schauergeschichten dürstete, bemängelten die Kritiker die Kurzatmigkeit der melodischen Empfindung.
Letzteres lag freilich durchaus in der Absicht des aufstrebenden Komponisten: Um das Diktat des Rossini-Stils abzuschütteln, bemühte sich Bellini um eine möglichst akribische Illustration des Librettos von Felice Romani – das konzertant-virtuose Element sollte einer stärkeren psychologischen Plastizität der Charaktere weichen, die Arien soweit als möglich in den dramatischen Zusammenhang eingebunden werden. Dabei tat der 28-Jährige des Guten allerdings etwas zu viel: Die verhakelten Ensembleszenen entwickeln mit ihren häufigen Rhythmuswechseln nicht die Zugkraft, die Bellini schon ein Jahr darauf mit seiner Romeo-und-Julia-Oper «I Capuleti e i Montecchi» erreichte, und bis auf wenige Ausnahmen (wie die Bariton-Arie «Meco tu vieni» im zweiten Akt) fehlen die großen Bellini-Kantilenen, die die emotionalen Extremsituationen der hanebüchenen ...
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Die Schreibmaschine ist schön. Weil sie Erinnerungen weckt an eine Zeit, in der Wörter noch gleichsam eingemeißelt wurden. Altes Modell, vielleicht eine Olympia aus den sechziger Jahren. Vor ihr Anna Samuil, in grauer Leinenhose und lindgrüner Bluse, im Schneidersitz, auf dem Boden hin- und herwogend wie ihre Seele. Soll ich? Soll ich nicht? Ja, sie soll. Und man...
Küsse, Bisse, das reimt sich», rechtfertigt sich Kleists Penthesilea. Auch in Rossinis Racine-Adaption «Ermione» wird zwölf Jahre später aus frustrierter Liebe zugebissen. Die Verlobte des Pyrrhus besteht auf Einhaltung des Eheversprechens, obwohl der Sohn des Achill inzwischen Hektors Witwe Andromache nachstellt. Ermione, eine Femme fatale, wie sie im Buche steht,...
Sanft kräuselt der Wind die Oberfläche des Sees. Schilf wiegt sich im Takt der Wellen. Endlose Wälder säumen die Ufer. Die Konturen ferner Berge zeichnen sich am Horizont ab. Ein Ort für erhabene Gefühle, für frei fliegende Gedanken. Die hatte auch der Sänger und Regisseur Sten Niclasson, als er vor zwölf Jahren erstmals dieses Ufer bereiste und unbedingt die...
