Schön erzählt
Wer kann, der kann. Kopenhagen hat in den vergangenen Jahren mit durchweg hauseigenen Kräften einen «Ring» auf die Beine gestellt, der länger in Erinnerung bleiben wird als so manche Bayreuther Produktion nach Chéreau. Der dänische Regisseur Kasper Bech Holten erzählt die verschlungene, über Generationen wirkende Geschichte als Rückblende aus der Sicht Brünnhildes, die sich im Augenblick ihrer schwersten Lebenskrise in der Bibliothek auf dem Dachboden klarzuwerden versucht, wie es zur Katastrophe kommen konnte.
Holten siedelt die Handlung in einem nicht näher bestimmten, eigentlich ständig changierenden 20. Jahrhundert an, das selbst mythischen Charakter annimmt. Anfangs weckt er damit die Befürchtung, einmal mehr die Versatzstücke eines leidgewordenen Regietheaters abzuhaken, doch bald wird klar, dass diese Aktualisierungen kein Tribut an den Zeitgeist sind und auch keine Analogie à la «Walhall=Wallstreet» behaupten wollen, sondern als erzählerische Hilfsmittel fungieren, um den alten Mythos für heute wieder lebendig werden zu lassen. Holten hat die politische Ideengeschichte des vergangenen Jahrhunderts zwar im Hinterkopf, aber er drängt uns keine Deutungen auf, setzt uns ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Später Triumph für Giovanni Carestini: Nachdem schon vor wenigen Monaten der französische Countertenor Philippe Jaroussky sein neues Album dem Vielseitigsten unter den großen Kastraten gewidmet hatte, zollt nun auch Vesselina Kasarova dem Uraufführungsinterpreten zahlloser Barockopern ihren Tribut. Im Gegensatz zu Jarousskys Porträtalbum, das die stimmliche und...
Das Rossini-Festival, das seit 1989 alljährlich im Schwarzwaldkurort Bad Wildbad stattfindet, hat sich in den zwanzig Jahren seines Bestehens zu einem Geheimtipp unter Belcanto-Liebhabern gemausert und kann, jedenfalls in musikalischer Hinsicht, durchaus mit den größeren Festspielen in Rossinis Geburtsort Pesaro mithalten. Zwar lassen die örtlichen Gegebenheiten –...
Auch wenn Mussorgsky seine «Chowanschtschina» weder instrumentieren noch beenden konnte (das Finale des 2. Bildes und der Schlusschor fehlen): Ein zusammenhangloser Bilderbogen aus Versatzstücken russischer Geschichte, wie oft behauptet, ist diese dicht gefügte, aber mit Shakespeare’scher Personenvielfalt gesegnete Tragödie über den Putsch und Fall der Fürsten...
