Schmerzende Helle
«Nichts dazu sage ich», sind die ersten Worte des Königs Arkel. «Ich weiß nicht, was ich sage... Ich weiß nicht, was ich weiß... Ich sage nicht mehr, was ich will...», spricht die sterbende Mélisande. Es ist eine geheimnisvolle Welt des Schweigens, eine archetypische Traumwelt symbolbefrachteter Räume, in der Debussys einzige vollendete Oper «Pélleas et Mélisande» spielt.
Die Menschen in Allemonde – dem Schauplatz von Maurice Maeterlincks Schauspiel, das Debussy sich selbst als Text eingerichtet hat – leben wie Somnambule, wie Blinde unterm Bann der Todeserwartung in einer labyrinthischen, nebelhaft verschwimmenden Welt, in der niemals die Sonne scheint, man also auch den Himmel nicht sieht.
Kazuko Watanabe hat für Jossi Wielers und Sergio Morabitos erstmals in Hannover gezeigte Inszenierung (siehe OW 6/2003), die die beiden Regisseure jetzt in Stuttgart in überarbeiteter Form neueinstudiert haben, alle Erwartungen einer düsteren Familiengruft unterlaufen. Ihr weißer, fensterloser Einheitsraum – eine Mischung aus steriler Krankenhaus- und funktionaler Büroatmosphäre – verlegt die Handlung in einen nach hinten sich verengenden Korridor, der vorne Einblick in zwei kleinere Salons ...
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Einen Exotenbonus bekommen sie heute nicht mehr. Anzahl, sängerische Qualität und Variationsbreite innerhalb des Stimmfachs der Countertenöre nehmen stetig zu. An fast jedem Stadttheater trat schon einmal ein Counter in einer tragenden Rolle auf. Vorbei sind die Zeiten, als ein «Falsettist», der die Aufnahmeprüfung an einer Hochschule mit Bravour bestand, nicht zum...
Die französische Sopranistin Sylvie Valayre erzählt im Interview dieses Heftes eine Geschichte, die man erfinden müsste, wenn sie nicht passiert wäre. Sie sang an einem großen deutschen Opernhaus eine französische Arie vor. Natürlich in Originalsprache. Ein Assistent des (im Dunkeln anwesenden) Generalmusikdirektors kam hinter die Bühne und erklärte der Sängerin,...
Ein Blick genügt, das Drama zu schauen. Wo gewöhnlich Fauteuils sich befanden, teure Teppiche, kristallene Leuchter, schmucke Vasen und imposante Spiegel, da steht jetzt, im Deutschen Theater Berlin, vor geschlossenem rotem Vorhang, nicht mehr als ein braunlederner Dreiteiler auf einer Spielfläche von höchstens neun Quadratmetern. Nichts ist übrig geblieben vom...
