Schlingensiefs letzte Idee
Ist die Guckkastenbühne des 18. und 19. Jahrhunderts ein Auslaufmodell?
Ich komme gerade aus Italien, wo Hunderte herrlich altmodischer Theater- und Opernhäuser leer stehen oder totgespart werden. Mein Lieblingstheater ist das Teatro Olimpico von Palladio in Vicenza: ein oval in die Breite gezogenes Amphitheater im antiken Sinne. Ein archaisch zeitloser herrlicher Raum, in dem ich gern Opern sehen würde.
Erstaunlicherweise sind aber selbst die modernsten Opernhäuser, wie sie gerade auf der Architekturbiennale in Venedig für China eindrucksvoll in fantastischen futuristischen Modellen vorgestellt werden, im Inneren mit traditionellen Rangtheatern mit Guckkastenbühnen ausgestattet. Auch das soeben eröffnete Opernhaus von Oslo, eine modernistische «Eisscholle», ist im Inneren ein traditionelles Rangtheater mit Guckkastenbühne, ja das Auditorium hat sich geradezu emphatisch die Semper-
oper von Dresden zum Vorbild genommen.
Diese gehört ja auch gewiss zu den besten Opernräumen der Welt, auch wenn Semper sie noch als traditionelles Rangtheater gebaut hat, welches allerdings durch den Wiederaufbau von Wolfgang Hänsch so unmerklich wie genial verändert und verbessert wurde. Semper wurde zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herr Prof. Ligeti, in Ihrem Kommentar zur Entstehung der Oper «Le Grand Macabre» beschreiben Sie einen schöpferischen Entwicklungsprozeß, der – wie ich meine – für die Situation der Musik der Siebzigerjahre und des neuen Musiktheaters im besonderen sehr aufschlußreich und charakteristisch ist. Während der Arbeit an dieser Oper, Ihrem ersten großen Werk für das...
Mode im Foyer
Neuer Stil in der Herren-Mode und ein ernstzunehmender Vorschlag über ein so genanntes «ever-jacket» – das also auch im Theater getragen werden sollte –, ermutigen mich, an dieser Stelle wieder – wie im Januar – die Herren-Mode im Foyer zu besprechen. Damit erledigen sich die mir zugegangenen Anfragen über die Preise allzu kostspieliger Garderobe fürs...
Kaum ein Sänger hat in jüngster Zeit Publikum und Kritik so fasziniert und zu beinahe widerspruchsloser Zustimmung bewegt wie der lyrische Bariton Christian Gerhaher. Diese Widerspruchslosigkeit ist für ihn selbst freilich keine reine Freude, ja erfüllt ihn mit leichtem Misstrauen dem Publikum, vor allem aber sich selbst gegenüber. Sollte seine Gesangskunst einem...
