Schillerndes Spiel
Einen historischen Lidschlag vor Monteverdi wurde in der römischen Valicellakirche ein Werk von Emilio de Cavalieri uraufgeführt, in dem die ferne Nachwelt einen der Haupt-Vorläufer der im Werden begriffenen Gattung Oper erkannte. Zum Heiligen Jahr 1600 präsentierten der Komponist und sein geistlicher Textdichter Agostino Manni mit der «Rappresentazione di anima e di corpo» so etwas wie eine theatralisierte Predigt mit Tänzen, Gesängen, Instrumentalstücken und dramatischen Formen.
Dabei zeigt sich Cavalieris reifes Meisterwerk (der Komponist starb zwei Jahre später 52-jährig) als ein schillerndes Produkt der jesuitischen Gegenreformation. Dieses Lehrspiel nimmt das verbreitete memento-mori-Weltgefühl jener Zeit zum Anlass, den paulinisch-christlichen Widerstreit zwischen Körper und Geist, weltlichen Versuchungen und himmlischen Verheißungen aufzugreifen und, in vielerlei Anläufen, die Hinfälligkeit jeglicher Lustsuche und die dauerhafte Freude am ewigen Leben zu propagieren. Die
beabsichtigte fromme Askese setzt sich freilich paradox in Szene – mit musikalisch luxurierendem Klangrausch und einem drastisch nervrüttelnden Verlockungs- und Gruselspiel des entfesselten Mimus. Wen ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Magazin, Seite 101
von Hans Klaus Jungheinrich
Unter einer gleißenden Sonntagmorgen-Sonne strömt die internationale Gemeinde der Rossiniani erwartungsfroh der Trinkhalle im Schwarzwälder Kurort Bad Wildbad zu. Als die letzten Akkorde der «Tell»-Apotheose in mächtigem Crescendo verrauscht sind, scheint der Vollmond über dem Enz-Tal. Dass man da elf Stunden mit Rossinis opus ultimum verbracht hatte, war nicht...
Das ist doch was. Da steht man mitten in Richard Wagners großem Salon, es riecht nach Holz und Mauerwerk, der Putz ist ab, der Stuck löchrig und der Boden bedeckt mit Staub und Plastikplanen. Von dort schaut man auf Vitrinen und Videoanimationen: lauter realisierte und nicht realisierte Luftschlösser. «Götterdämmerung» heißt die Ausstellung in der Villa Wahnfried....
Herr Sabadus, wo ist der erste Teil Ihres ursprünglichen Namens Barna-Sabadus geblieben?
Weg ist er. Das Label hat es so gewollt. Die Agentur auch. Barna – so heißt mein Vater, der unter diesem Namen adoptiert worden war. Ich denke: besser der Name kastriert als die Stimme.
Keine Sorge, Ihre Stimme klingt ganz und gar nicht kastriert. Obwohl es heute immer mehr...
