Schillernde Kontraste
Vergessen, Erinnern und Wiederentdecken gehören zum Rhythmus der Künste, gerade des Musiktheaters. Dass Pietro Mascagni, Komponist aus der Toskana in der Verdi- und Puccini-Nachfolge, der fast 20 Opernpartituren schrieb, nur mit dem schroffen Verismo seiner Jugendoper «Cavalleria rusticana» (1890) überleben soll, schien unabänderlich zu sein. Doch eroberte seine «Iris» (1898) vor ein paar Jahren die Opernbühne in Chemnitz (siehe OW 3/2007).
Die nächste Überraschung: «Isabeau», 1911 am Teatro Colón in Buenos Aires zum ersten Mal gespielt, erlebt am Staatstheater Braunschweig ihre deutsche Erstaufführung.
Die «Leggenda dramatica» war in Lateinamerika und in Italien bis 1940 auf den Spielplänen. Erst als der sardische Heldentenor Bernardo De Muro, der die Partie des Folco angeblich 382-mal gesungen hatte, seine Karriere beendete, schlug für «Isabeau» die vermeintlich letzte Stunde. Dramaturgisch wie musikalisch spricht einiges dafür, das im Sterben triumphierende Liebespaar Isabeau-Folco als Antwort Mascagnis auf Richard Wagner zu verstehen, auf Tristan-Isolde und Tannhäuser-Elisabeth gleichermaßen. Auch die Handlung weist Parallelen auf: König Raimondos Staat ist untergangsreif, ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Wolfgang Schreiber
Dichter und Philosophen feiern Wiederauferstehung in der Oper. Mathias Pintscher belebte Rimbaud, Peter Ruzicka versuchte es mit Paul Celan und Hölderlin, Wolfgang Rihm und Franz Hummel erweckten Friedrich Nietzsche. Über diesen Trend darf spekuliert werden. Ästhetische Relevanz verbindet sich damit keineswegs immer. Rihms, Ruzickas und Pintschers Adaptionen des...
Vivi, tiranno: Bertarido hat gerade das Leben des Usurpators Grimoaldo gerettet, dennoch erwartet er den Tod. Seinen Zorn entlädt er in heftigen Wutaffekten und Koloraturkaskaden. Darin lässt Bejun Mehta, zur Zeit quasi der «King» der Counters, sich nicht lumpen: Kristallklar und gestochen kommen sie, technisch makellos gebändigt trotz aller Intensität. Freilich,...
Die Straßburger Bühne ist leer. Darauf nur Cheryl Barker als Emilia Marty. In einer Rückblende führt die 337-jährige Primadonna jenes lebensverlängernde Elixier zum Mund, das ihr Vater um 1600 für Kaiser Rudolf II. braute und das an ihr auszuprobieren war. Damals hieß sie Elina Makropulos, und die Initialen E. M. begleiteten sie denn auch durch ihr – inzwischen...
