Scharfe Brüche
Der sogenannte Dekabristenaufstand im Jahr 1825 ist noch heute ein wichtiges Symbol russischer Freiheitsliebe. Gleichwohl wurde die tragische Geschichte bisher nur einmal vertont: Juri Schaporins Oper «Die Dekabristen» erlebte, von systemtreuen Historikern strengstens «überwacht», 1953 ihre Premiere – als Hurra-Parade über die verhängnisvoll-folgenreichen Geschehnisse auf dem Sankt Petersburger Senatsplatz.
Alexander Raskatovs zweiaktiges Bühnenwerk «Eclipse» (Sonnenfinsternis), das jetzt im Konzertsaal des nahe gelegenen Mariinsky-Theaters konzertant uraufgeführt wurde, greift das Ereignis erneut auf. Raskatov entfaltet melodische Raffinesse, er spielt mit vokalen Elementen der orthodoxen Lithurgie. Das Werk klingt so, als solle es für den normalen Zuhörer eingängig sein. Letztlich entpuppt es sich aber als eine Schöpfung von gesamteuropäischer Dimension.
Das vom Komponisten selbst verfasste Libretto basiert auf Originaldokumenten und Fragmenten aus literarischen Vorlagen, insbesondere von Puschkin («Eugen Onegin») und Dostojewski. Die kaleidoskopische Aneinanderreihung der Episoden erlaubt scharfe Brüche in Dynamik und Atmosphäre. Auffällig dabei die extrem hohe Lage der meisten ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Alexej Parin
Fühlen Sie schon Wehmut in sich aufsteigen?
Gar nicht. Und das aus gutem Grund: Ich habe einen unbefristeten Vertrag und besitze das große Privileg, den Zeitpunkt meines Ausscheidens selber wählen zu können. Das Einzige, was mir einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, ist der Zeitplan. Ich wollte gehen, nachdem wir in unser Stammhaus, das Grand Théâtre,...
Der Brief, den Sergej Rachmaninow im Oktober 1908 aus Dresden an den Regisseur Konstantin Stanislawski schrieb und als Klavierlied vertonte, damit Fjodor Schaljapin ihn vorsingen konnte, wäre für manchen Interpreten vielleicht Anlass zur vokalen Augenzwinkerei, zu reflexhafter Ironie gewesen. Doch der Bariton Jacques Imbrailo trägt ihn auf seiner neuesten CD so...
Manches kleinere sommerliche Musikfest hängt im Wesentlichen an einer einzigen Person. So die splendide Initiative des kürzlich verstorbenen Dirigenten Enoch zu Guttenberg, der sich im auratischen Kunst-Ort Herrenchiemsee gleichsam als musikalischer Wiedergänger Ludwigs II. zelebrierte; ähnlich autoritativ Gustav Kuhn im eigens für ihn erbauten Festspielhaus im...
