Rosina im Wunderland
Seit 2003 wird das Wasserschloss Hallwyl im Kanton Aargau alle drei Jahre zur Kulisse einer Operninszenierung. Diesmal stehen für den «Barbiere di Siviglia» Bücher auf der Bühne, zwei, drei, vier Meter hoch: Brontës «Jane Eyre» und «The Professor», Austens «Sense and Sensibility», dazu als abgründiger Einschub die «Medea» des Euripides (Reclam-Ausgabe). Außerdem Meyers Konversationslexikon, ein medizinisches Lehrbuch, ein Aktenordner für die Buchhaltung, und, ausnahmsweise nicht im Original, ein Comic: Dagobert Duck.
Ein literarischer Referenzraum, der Bartolos pedantische Weltanschauung genauso spiegelt wie Rosinas romantisches, aber nicht humorloses Wesen.
Auch die Figuren selbst sind literarische Fabelgestalten, nur vorübergehend Fleisch geworden. Den Graf entlarven Regency-Rock und Zylinder sogleich als Traumprinz jeder Austen’schen Heldin. Bartolo gewandet sich schwarz mit Mühlsteinkragen in der Manier des frühen 17. Jahrhunderts, sein Mündel Rosina trägt mintgrüne Rüschen und Reifrock, beweist aber Widerspruchsgeist durch Converse Chucks. Figaro gibt den schwulen Friseur, mit wechselnden Perücken spielend sorgt er für Lacher. Als rehäugiger Richard Wagner zeigt sich Basilio. ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Magazin, Seite 98
von Wiebke Roloff
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