Rockstar Zerbinetta
Immerhin. Man hält's im Hause des reichsten Mannes von Wien – wie wahrhaftig auch immer – mit der aktuellen Kunst. Man gibt eine Oper in Auftrag, wenn man sie auch später verstümmelt, und auf Tilo Steffens’ Bühne zu Ariadne auf Naxos erblicken wir hinten, hoch oben in der Festloge, den Haushofmeister, in Klimts Jugendstilmalerei vertieft. Wie man mit den Kunstproduzenten unterm eigenen Dach umgeht, ist eine andere Frage. Man stellt sie in Freiburg letztlich doch nicht so recht. Lange scheint es, als sei eine Glaswand zwischen uns da unten und denen da oben.
Alles wirkt entfernt, akustisch gedämpft, indirekt. Die Textundeutlichkeit tut das Ihre hinzu. Das Spiel ist nicht «nah» genug.
Dieser Eindruck weicht, sobald uns die Gestalten mehr angehen. Einer der einleuchtendsten Einfälle des Regisseurs Jörg Behr beim Transport des Werks in die Neuzeit: Die Stegreif-Komödianten um die weißmähnige Zerbinetta mausern sich zu einer Rockband. Das den Autoren vordringliche Motiv der Verwandlung ist Behr nicht gar so wichtig. Wohl aber die Verbindung von Hoch- und Massenkultur. Im Finale ist der Komponist nicht mehr der, der Kleinholz aus dem Pop-Instrumentarium macht. Da erscheint der Kahn, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Heinz W. Koch
Zur bürgerlichen Kunst der Oper besaß Hanns Eisler, der «Komponist, Weltbürger, Revolutionär», wie ihn Friederike Wißmann im Untertitel ihrer Biografie nennt, ein kritisches Verhältnis: Der hochbegabte Schönberg-Schüler konnte Pathos und demonstrative Erhabenheit nicht ausstehen. Mit Ausnahme der (gescheiterten) Oper Johann Faustus spielte das Musiktheater bei ihm...
Hans Werner Henze und Elliott Carter, beide in ihrer Art epochal, sind kurz hintereinander gestorben. Dabei standen sie fürs ästhetische Kontrastprinzip – Carter sogar innerhalb der amerikanischen Musik: Mit populären, aleatorischen oder minimalistischen Tendenzen wollte er nichts zu tun haben, setzte vielmehr, «europäisch» altmodisch, auf homogene, komplex...
So sieht sie aus, die neue Opernwelt – inhaltlich genauso gewichtig wie eh und je, grafisch aber klarer und kontrastreicher. Auch die Ausstattung ist ansprechender geworden. Für den Relaunch haben wir mit einem international renommierten Art Director zusammengearbeitet. Das erste Heft in der neuen Gestaltung eröffnet vielfältige Perspektiven auf das Jahr 2013....
