Regisseure des Jahres

Opernwelt - Logo

Die Kür ist für sie nicht neu. Für keinen von beiden. Sowohl Hans Neuenfels als auch Christof Loy waren bereits «Regisseur des Jahres». Letztgenannter, ein im Vergleich zum ewigen Metaphernzauberer Neuenfels mehr als zwanzig Jahre jüngerer Asket reinsten Wassers, sogar schon zweimal. Auch in der vergangenen Spielzeit sorgten beide wieder mit extrem verschiedenen Mitteln für reichlich Diskurs- und Reibungsmaterial. Energetisch, intelligent wie intelligibel fokussieren ihre Inszenierungen auf den Menschen samt seiner Abgründe, samt seiner gesellschaftlichen Verstrickungen.

Mögen auch die Verfahren, die Neuenfels und Loy anwenden, um zum (dramaturgisch genau durchdachten) bühnenwirksamen Ergebnis zu gelangen, gegensätzlicher kaum denkbar sein – eines eint ihre Künstlernaturen: Es ist der präzise, nachgerade röntgenologische Blick auf das, was – musikalisch wie szenisch – wesentlich ist für das jeweilige Stück. Während Neuenfels diesen Blick mit (häufig ironischen) Bildern zu schärfen versucht, geht Loy von der Gestalt im kahlen Raum aus, von der nackten Spannung, die zwischen den Figuren entsteht. Aufladung und Entladung hier (Neuenfels), innere Elektrizität dort (Loy). Spannend, im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2008
Rubrik: Regisseure des Jahres, Seite 58
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Uraufführung des Jahres

Schon die Gattungsbezeichnung überraschte: Eine «Konzertoper» nannte Hans Werner Henze sein (vielleicht?) finales Musiktheaterwerk, das er komponierte, obwohl er zuvor glaubhaft versichert hatte, «L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe», 2003 in Salzburg uraufgeführt, sei seine letzte Oper. Dass dieser «Wortbruch» sich als glückliche Fügung erwies, wurde...

Heiterkeit der letzten Dinge

Was nützt das Hören mit den Augen in Gedanken? Bilder halten uns beim Erinnern gern zum Narren. Sie verändern sich, die stärkeren überlagern die schwächeren, einige wachsen, pumpen sich auf, andere werden blasser und verschwimmen, und vieles verschwindet ganz. Dabei passiert es gerade bei Opernwerken, die wir besonders oft zu erleben Gelegenheit haben (da ja der...

Opernhaus des Jahres

Gewiss hängen Wohl und Wehe eines Musiktheater­betriebs nicht nur von der Person ab, die den Laden führt. Ohne motivierte Künstler, flexible Werkstätten, eine findige Technik und effiziente Verwaltung kann kein Intendant Funken schlagen. Oper ist bekanntlich Teamwork, doch gerade diese Binsenweisheit wird mal mehr, mal weniger beachtet. Stefan Soltesz, seit 1997...